OB-Wahl in Halle: Ring frei für Runde zwei

01.07.2012 09:26 Uhr | Aktualisiert 02.07.2012 22:05 Uhr
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OB-Wahl in Halle

Bei der OB-Wahl in Halle bekamen am Sonntag der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Bönisch (links) und Halles parteiloser Innendezernent Bernd Wiegand die meisten Stimmen. (FOTO: SILVIO KISON)

Von MICHAEL TEMPEL
Die Hallenser müssen noch einmal ran. Am 15. Juli wird per Stichwahl entschieden, wer neuer Oberbürgermeister wird - Bernhard Bönisch von der CDU oder der parteilose Innendezernent Bernd Wiegand.
Halle (Saale)/MZ. 

Der große Ratssaal im Stadthaus. Bei den Sitzungen des halleschen Stadtrats hat das Wort von Bernhard Bönisch als Chef der CDU-Fraktion Gewicht. Er ist dort aber einer von mehreren Politikergrößen. Bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag stand der 58-Jährige in der altehrwürdigen Halle allerdings allein im Blick aller Anwesenden: Als dort 18.38 Uhr die Ergebnisse aus den ersten Wahlbezirken präsentiert wurden, die für Bönisch über 35 Prozent Stimmen auswiesen, brandete das erste Mal der Applaus seiner zahlreichen Anhänger auf.

Weil sich an Bönischs Führungsposition bis zum Schluss nichts änderte, blieben die CDU-Leute die tonangebende Gruppe im Haus. Indes: Der Zweitplatzierte der Wahl, Halles Innendezernent Bernd Wiegand (parteilos), mit dem sich Bönisch in zwei Wochen in der Stichwahl messen will, war gar nicht anwesend. Wiegand hatte es vorgezogen, seinen überraschenden Erfolg mit Helfern und Freunden in einer etwa zwei Kilometer entfernten Bar zu feiern. Distanz, sich vom Kontrahenten abgrenzen: Das ist auch das Konzept, mit dem beide in das entscheidende Rennen um den Oberbürgermeisterposten gehen wollen.

Hände schütteln, Interviews, dann endlich ein erstes Telefonat mit Ehefrau Veronika - Bönisch war am Sonntagabend im Stress. Sein Wahlergebnis bezeichnete er als "okay". "Es ist aber auch ein respektables Ergebnis für Herrn Wiegand", sagte Bönisch. Er wolle in den kommenden Tagen keinen Wahlkampf gegen Wiegand machen. "Ich mache Wahlkampf für Bönisch." Mit Präsenz auf der Straße und bei zahlreichen öffentlichen Terminen wolle er jene Hallenser, die weder ihn noch Wiegand gewählt haben, für sich gewinnen. Wirtschaftsförderung, strikte Ausgabenkontrolle und eine effektive Verwaltung sind die Trümpfe, mit denen Skat-Fan Bönisch stechen will.

Unterdessen rauchte Wiegand im "Mo's Daniels" in der Bernburger Straße dicke Zigarren mit Wasserspringer-Ass Andreas Wels und dem früheren Chef des halleschen Polizeireviers, Udo Richter, um seinen zweiten Platz zu feiern. "Ich habe mich riesig gefreut", sagte Wiegand. Warum er sich im Stadthaus nicht blicken ließ? "Ich bin lieber bei meinen Freunden, die für mich den Wahlkampf machen. Das Stadthaus wäre nicht der richtige Ort gewesen. Es ist nicht meine Art, groß aufzutreten."

Es sei ein Erfolg "der Sache", seines Wahlprogramms, gegen die "Materialschlacht" der Konkurrenz gewesen, meinte er mit einem Seitenhieb auf die SPD, deren Mitglied er einst war. Jetzt hat Wiegand den Hoffnungsträger der Sozialdemokraten, Kay Senius, hinter sich gelassen. Und er glaubt, auch Bönisch noch abfangen zu können, indem er sich als der stärker zukunftsorientierte Bewerber darstellen wird. "Ich bin überparteilich, habe ein klares Wirtschaftskonzept und bin Verwaltungsfachmann", so Wiegand. Dies wolle er vermitteln, wenn er in den kommenden Tagen weiterhin Hallenser zu Schiffstouren einlädt und auf Veranstaltungen präsent ist. "Ich werde weiter auf die Bürger zugehen, aber wir machen keinen Straßenwahlkampf - wie bisher", sagte Wiegand.

In einem waren sich am Sonntag alle Kandidaten, Wahlkämpfer und -beobachter einig: in der Enttäuschung über die geringe Wahlbeteiligung von 34,6 Prozent. Schon bei der vorhergehenden OB-Wahl Ende 2006 war sie mit 32,4 Prozent niedrig. "Das ist ernüchternd", sagte Amtsinhaberin Dagmar Szabados (SPD), die aus Altersgründen nicht erneut zur Wahl angetreten war. Für sie stehe Bönisch jetzt als neuer Oberbürgermeister fest. "Alles andere wäre eine Katastrophe für die Stadt", sagte sie in Richtung des Stichwahl-Kontrahenten Wiegand. Der Anlass, dass Dagmar Szabados so ungewohnt giftige Pfeile verschießt, war in dem enttäuschenden Abschneiden von SPD-Kandidat Senius begründet. Zudem liegt Szabados mit ihrem Innendezernenten seit Jahren in einem Dauerstreit.