Offene Gärten: 800 Quadratmeter Idylle

11.05.2012 18:01 Uhr | Aktualisiert 11.05.2012 20:15 Uhr
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Heike Lehmann

Im Garten von Heike Lehmann werden die Besucher staunen, was die Besitzerin alles begrünt. (FOTO: THOMAS KLITZSCH)

Von ilka hillger
Ab diesem Wochenende kann man sich wieder anschauen, wie sich andere Leute ein grünes Paradies in der Stadt geschaffen haben. Am Sonntag von 10 bis 19 Uhr öffnet Heike Lehmann ihr Hoftor für Besucher.
wittenberg/MZ. 

Ein paar große Sprünge von Emma reichen, um den Garten vom einen Ende zum anderen zu durchmessen. 800 Quadratmeter Grün sind für einen Gärtner Durchschnitt, für eine irische Wolfshündin nur ein kleiner Tummelplatz.

Die Zäune und Hecken im Areal überspringt die Hundedame mit Leichtigkeit, auch wenn es Heike Lehmann nicht gerne sieht. Gleich hinter dem Tor zu Haus und Garten in Neun Linden 6 zeigt sie in die Runde. "Das ist die Hundeecke", erklärt sie. Hier wühlt sich Emma immer mal durchs Erdreich und Gärtnerin Lehmann muss so manches Mal die Pflanzen ersetzen. Tiefer im Garten muss sich aber auch der Hund vorsehen, denn die Oase von Heike Lehmann ist viel zu schön, um sie von vier Pfoten durchwühlen zu lassen.

An diesem Sonntag von 10 bis 19 Uhr öffnet Heike Lehmann das erste Mal bei der Veranstaltung "Offene Gärten 2012" ihr Hoftor für Besucher (auch am 16. Juni). Seit 2006 ist die Adresse Neun Linden (vormals Lindenstraße) in Kleinwittenberg ein guter Ort für viele Gartenfreunde und solche, die es werden wollen, um sich zu überzeugen, wie man sich ein Stück traumhafter Gartenwelt mitten in die Stadt holen kann. "Das wird auch diesmal wieder wie ein kleines Gartenfest. Es gibt Kaffee und Kuchen und viele nette Gespräche", ist sich die 47-Jährige sicher.

Zu bereden gibt es an diesem Tag unter Gärtnern sicher so manches. Der Gärtnerin fallen als Gesprächsstoff die kalten Winterwochen ein. "Zwölf Rosen sind mir erfroren und der Blauregen ist wohl auch eingegangen", nennt sie ein paar Frost-Verluste. Es ist freilich nicht so, dass Heike Lehmann deswegen Trübsal blasen würde. Vielmehr kann nach solch einem harten Winter ihr Motto greifen: "Ich setzte da etwas hin, wo was ausfällt. Von jedem etwas". Dementsprechend vielfältig präsentiert sich auch das Reich der Wittenbergerin, die mit ihrer Familie 2000 das Haus bezog und seitdem ungezählte Stunden in ihr Gartenprojekt investiert hat. Aus einem normalen Garten mit viel Obstbestand und Beeten hat sich inzwischen ein Bauerngarten voller Pfingstrosen, Phlox, Akelei und Hortensien entwickelt. Im vorderen Bereich tummeln sich Goldfische im Teich, der Pool, einst angeschafft für die inzwischen erwachsenen Kinder, ist zugeschüttet und ein bepflanztes Oval mit gängigen Gemüsesorten geworden.

"Ein Bauer würde wohl über meine Kartoffelpflanzen lächeln, aber für uns reicht es aus", erklärt Heike Lehmann ihre sparsame Pflanzart. Da soll es doch lieber von jedem ein bisschen geben: Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und immer wieder Erdbeeren im Beet oder Pflanzschalen decken den Naschbedarf der Familie. Gleich von der Küche kommt Heike Lehmann über die Terrasse zur gemauerten Kräuterschnecke, mit allem Würzgrün, was die Köchin braucht. Auffällig an jedem Ort in diesem Garten ist die Verwendung alter Materialien. "Die Ziegelsteine haben wir von der Deponie", zeigt Lehmann auf Wege und Beetbegrenzungen. Im früheren Hühnerauslauf ist eine Sitzecke entstanden mit bäuerlichen Gerätschaften an den Wänden und in den Ecken.

"Mir kommt nichts Neues in den Garten", ist die Devise der Gärtnerin, die als solche viele Jahre im Paul-Gerhardt-Stift arbeitete und jetzt dort im Patientenbegleitdienst tätig ist. Erst neulich hätten ihr Freunde ein altes Waschbecken geschenkt, das längst im Grün integriert und bepflanzt ist. "Ich selber traue mich schon gar nicht mehr auf Trödelmärkte, weil ich weiß, dass ich da nicht mit leeren Händen nach Hause komme", sagt die 47-Jährige, die an diesem Sonntag nun auch ihren Gästen demonstrieren will, wie gut sich alte Dinge und selbst Rostiges ins Grün eines Garten einfügen können.