Schloss Oranienbaum (FOTO: STEDTLER)
In der Kleinstadt Oranienbaum gibt es nur noch ein Thema: Königin Beatrix kommt ! Bundespräsident Joachim Gauck wird an ihrer Seite sein, wenn sie am Mittwoch eine große niederländische Design-Schau im Schloss eröffnen wird. Unter dem Motto «Dutch Design - Huis van Oranje. Exzellentes Handwerk am Hofe» werden rund 400 Exponaten von 160 niederländischen Designern, Modeschöpfern gezeigt, arrangiert mit historischen und teils sehr persönlichen Stücken aus dem Königshaus.
«Die Verbindung aus exzellentem Kunsthandwerk der Vergangenheit und der heute wieder aufkommenden Hinwendung zu richtig gutem Handwerk im Design, das macht die Ausstellung so einzigartig», meinte Wolfgang Savelsberg von der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, der die Fäden beim Aufbau der Schau mit in den Händen hält.
2004 war die Monarchin bereits in Oranienbaum auf den Spuren ihrer Ahnen gewandelt und von rund 2000 Menschen gefeiert worden. Alles Mögliche war in dem sonst eher verschlafen wirkenden Ort, der sich Touristen als «kleines Stück Holland» präsentiert, in Orange geschmückt worden. Orange steht als Farbe für die Niederlande. Singende Kinder in Holzschühchen winkten damals mit Fähnchen der Monarchin auf dem Marktplatz zu.
Dieses Mal wird es wohl nicht viel anders sein. Angesichts des Schicksalsschlages der Königsfamilie mischt sich aber auch Besorgnis unter die Vorfreude der Menschen. «Sie hat es als Mutter wirklich ganz schlimm getroffen», sagte eine Mittfünfzigerin aus Oranienbaum, die vor allem beim Friseur gern in Illustrierten Geschichten aus Königshäusern liest, beim Spaziergang durch den Schlosspark. Prinz Johan Friso war im Februar beim Skifahren in Österreich von einer Lawine verschüttet worden. Seitdem liegt der zweitälteste Sohn von Königin Beatrix im Koma.
Nur wenige Meter vom Schloss Oranienbaum entfernt steht das Wahrzeichen des Ortes, der inmitten des zum Unesco-Welterbe zählenden Dessau-Wörlitzer Gartenreich liegt, - ein Orangenbäumchen. Das Denkmal erinnert an die engen Verbindungen der rund 3300 Einwohner zählenden Stadt zu den Niederlanden. «Die Geschichte dieses Ortes ist auch soooo schön», schwärmte die Kuratorin der Design-Ausstellung, Nicole Uniquole, als sie noch vor zwei Wochen inmitten von Kisten mit Exponate für die große Schau stand. Prinzessin Henriette Catharina von Oranien-Nassau (1637-1708) hatte nach ihrer Hochzeit mit Johann Georg II. von Anhalt Dessau im Jahre 1659 den Ort Nischwitz von ihrem Ehemann geschenkt bekommen.
Henriette zu Ehren wurde der Flecken Erde in Oranienbaum umbenannt - da sie aus dem Geschlecht der Oranier stammte, so wie es bei Königin Beatrix auch der Fall ist. Der Architekt Cornelis Ryckwaert schuf ab 1683 für die Prinzessin ein Ensemble aus Schloss, Park und Stadt nach niederländischem Vorbild, 1708 wurde zudem eine Stadtkirche in Oranienbaum gebaut. Das historische Stadtbild ist bis heute erhalten geblieben.
Außergewöhnliche Stücke werden in 50 Räumen gezeigt, vom überdimensionalen Sessel, über eine Installation von Hunderten Vasen, Schmuck, Kleidern der Haute Couture, eine Wiege aus dem Königshaus. Im einstigen Vorratskeller des Schlosses steht sogar ein von Designerhand entworfener Hühnerstall.