Politik: Klare Ansage an Szabados

18.07.2012 22:13 Uhr | Aktualisiert 19.09.2012 15:06 Uhr
Bernd Wiegand nimmt den Blumenstrauß für seine Wahl entgegen. OB Dagmar Szabados würdigt ihn keines Blickes. (FOTO: THOMAS MEINICKE) 
Von Marko Jeschor
Wahlsieger Bernd Wiegand genießt seinen ersten Auftritt im Stadtrat als designierter Oberbürgermeister. Viele Fraktionschefs fordern Szabados auf, auf ihren Widersacher zuzugehen.
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Halle (Saale)/MZ. 

Ein kurzer Blick, ein knappes "Hallo" - von beiden Seiten. So verlief am Mittwoch die erste öffentliche Begrüßung nach der Wahl zwischen Dagmar Szabados (SPD), Halles amtierender Oberbürgermeisterin, und Bernd Wiegand (parteilos), Noch-Ordnungsdezernent und designierter OB. Auf das Händeschütteln haben beide kurz vor der Stadtratssitzung wieder verzichtet. Auch fünf Tage nach der Wahl haben sich Szabados und ihr Dezernent nichts zu sagen. Genau das kritisieren viele der Fraktionschefs. Sie fordern Szabados auf, auf ihren Widersacher zuzugehen.

Die OB ist etwas früher da als ihr Nachfolger, spricht vor dem Saal noch mit dem Bau-Beigeordneten Uwe Stäglin. Wiegand kommt mit schnellen Schritten die Treppe zum großen Ratssaal hoch. Bis zu seinem Platz - keine zwei Meter neben der OB - muss Wiegand viele Hände schütteln. Für ihn ist es ein Triumphzug - natürlich.

Kurz vor der Eröffnung gratuliert Wiegand auch noch der SPD-Fraktionschef Johannes Krause. Eine überraschende Geste, schließlich hatte Wiegand vor zwei Jahren wegen Differenzen die SPD verlassen. Nach der Eröffnung kommt dann auch leiser Beifall von Szabados. Sie klopft auf den Tisch, nachdem Stadtratschef Harald Bartl (parteilos) dem designierten OB - ganz offiziell - alles Gute gewünscht hat. Zwar haben die Aktion von Szabados die meisten im Saal nicht gesehen, aber immerhin: eine Geste.

Am Rande der Sitzung fordern die Fraktionschefs, dass die beiden Kontrahenten bis zur Amtsübernahme zusammenarbeiten. Szabados hatte ihren Sprecher Steffen Drenkelfuß bereits mitteilen lassen, dass sie Wiegand nicht in wichtige Fragen einbeziehen werde: "Sie wird, wie in der Gemeindeordnung vorgesehen, in alleiniger Verantwortung ihren Dienst bis zum Ende der Amtszeit ausüben."

"Eine vernünftige Übergabe ist in der Wirtschaft gang und gäbe. Wiegand sollte so früh wie möglich in die Gesamtgeschäfte einbezogen werden", sagte Bodo Meerheim (Die Linke). Auch Oliver Paulsen (Grüne) hält das für geboten: "Eine geordnete Übergabe gehört zum guten Stil." SPD-Mann Krause: "Anstand und Etikette gebieten, dass gewisse Abstimmungen getroffen werden."

Und CDU-Fraktionschef und Wahlverlierer Bernhard Bönisch meinte: "Wir können nur hoffen, dass Szabados und Wiegand gut zusammenarbeiten. " Stadtratschef Bartl geht noch weiter: "Sie sind zum Wohle der Stadt zur Zusammenarbeit verpflichtet!" Sollte das nicht der Fall sein, werde er mit der OB sprechen.

Wiegand hat unterdessen wie bei vielen Ratssitzungen vor der Wahl auch am Mittwoch praktisch nichts gesagt. Lediglich auf die Anfrage von Werner Misch (CDU), ob die OB-Bewerber zur Kasse gebeten werden, die im ersten Wahlgang am 1. Juli ausgeschieden waren und deren Plakate immer noch hängen, erklärte sich Wiegand als "befangen" - unter dem Gelächter etlicher Stadträte.