Proteste in Insel. (ARCHIVFOTO: DPA)
„Wir werden alles dafür tun, die Sicherheit der Männer vor Ort zu gewährleisten“, sagte Justizministerin Angela Kolb (SPD) der MZ. In Insel gebe es offensichtlich Bürger, die sich nicht mehr auf dem Boden des Rechtsstaates bewegten, „das ist nicht hinnehmbar“, erklärte die Ministerin. Eine Polizeisprecherin bestätigte derweil, dass die Zahl der Polizisten vor Ort erhöht worden sei, Zahlen nannte sie nicht.
In Insel war in der Nacht zum Sonnabend die Situation eskaliert. Nach einer spontanen Demonstration hatten rund 50 Einwohner und zugereiste Rechtsextreme mehrfach versucht, das Wohnhaus der Männer zu stürmen. Die 30 eingesetzten Polizisten mussten Ketten bilden und körperliche Gewalt einsetzen, um die insgesamt drei Angriffe zurückzuschlagen. Platzverweise wurden ignoriert; gegen Mitternacht versuchten Rechtsradikale den Sicherheitskorridor um das Haus zu durchbrechen.
Auslöser des Gewaltausbruchs war offenbar die Rückkehr von einem der Männer, der zunächst nach Chemnitz gezogen war. Nachdem seine Adresse dort öffentlich gemacht worden war, verließ er fluchtartig seinen neuen Wohnort. Das übrige Wochenende sei dann in Insel ruhig geblieben, sagte die Sprecherin der Polizeidirektion Nord, Beatrix Mertens. „Wir haben unsere Präsenz aber verstärkt“, so Mertens. Für Montagabend ist in Insel eine erneute Demonstration angemeldet; am Freitag plant die rechtsextreme NPD eine Kundgebung. Mehrere Landespolitiker haben daher bereits zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen.
Die Vorgänge wurden einhellig verurteilt: Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) nannte den Umgang mit den Männern „katastrophal“. Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke und der Innenexperte der Grünen-Landtagsfraktion zeigten sich ebenfalls entsetzt . Die Männer vertreiben zu wollen, sei der Versuch von Selbstjustiz, hieß es in einer Erklärung von Lemke und Striegel. Noch einen Schritt weiter ging FDP-Landeschef Veit Wolpert, der die Attacken als „Lynchjustiz“ bezeichnete. Der Geschäftsführer des Vereins „Miteinander“, Pascal Begrich, der sich um die Opfer rechter Gewalt kümmert, sprach von einer „Menschenjagd“, die in Insel ablaufe.
Sowohl Striegel und Lemke, als auch Wolpert und die Rechtspolitikerin der Linken im Landtag, Eva von Angern, forderten derweil Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) auf, persönlich in Insel aktiv zu werden. „Ich erwarte, dass der Ministerpräsident endlich sein Schweigen bricht und mit allen Demokraten gemeinsam am Freitag bei einer Demonstration gegen den Nazi-Aufmarsch Gesicht zeigt“, so von Angern.