Q-Cells: Solar-Konzern sucht Weg in die Zukunft

02.05.2012 12:14 Uhr | Aktualisiert 03.05.2012 07:59 Uhr
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Insovlenzverwalter Henning Schorisch

Henning Schorisch, Insolvenzverwalter von Q-Cells informiert in Bitterfeld-Wolfen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) über den aktuellen Stand des vorläufigen Insolvenzverfahrens des Photovoltaikherstellers. (FOTO: DPA)

Von Steffen Höhne
Beim insolventen Solarhersteller Q-Cells wächst die Hoffnung. Die Produktion läuft wieder rund um die Uhr. Es wird in neue Technologien investiert und bislang sind keine größeren Entlassungen vorgesehen.
Bitterfeld-Wolfen/MZ. 

Blauer Himmel und Sonnenschein über Bitterfeld-Wolfen, die Solarzellen an den Fassaden des Q-Cells-Unternehmensgebäudes liefern volle Kraft Strom. Drinnen verbreitet Henning Schorisch Optimismus: „Die Produktion von Solar-Modulen läuft wieder rund um die Uhr“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter am Mittwoch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt. Es gebe einen „ausgesprochen guten Geschäftsverlauf“. Derzeit plane das Unternehmen bereits für die Zeit von Juli bis Oktober. Seine Botschaft: Q-Cells soll als komplettes Unternehmen am Markt bleiben.

Nach der Beantragung der Insolvenz beim Dessauer Amtsgericht am 3. April war die Produktion zurückgefahren worden. Der einst weltgrößte Solarzellen-Hersteller hatte nach hohen Verlusten und einem Rechtsstreit mit Gläubigern die Insolvenz angemeldet. Die Augen der gesamten deutschen Solarbranche richten sich derzeit auf den Insolvenzverwalter. Denn Q-Cells gilt als Blaupause, ob es gelingt, die Herstellung von Solarzellen am Standort Deutschland zu halten.

Schorisch, der seit 1992 als Insolvenzverwalter tätig ist, kennt sich in der Solarindustrie aus. Die Berliner Insolvenzverwaltung HWW Wienberg Wilhelm, bei der er Partner ist, betreute zuletzt die Insolvenz des Solar-Modulherstellers Solon. Die Berliner Firma wurde zweieinhalb Monate nach Insolvenzanmeldung an das Solarunternehmen Microsol aus den Vereinigten Arabischen Emiraten verkauft „Ich knüpfe an dieser Erfahrungen an“, sagt Schorisch.

Mit einem 15-köpfigen Team sitzt er jetzt in Bitterfeld-Wolfen. Nach der Stabilisierung der Produktion geht es nun um die Zukunft von Q-Cells. Schorisch hat die Beratungsfirma Deloitte mit der Investorensuche beauftragt. Bis Mitte Mai soll es erste Zwischenergebnisse geben. Seit der Insolvenzanmeldung haben sich nach seinen Angaben bereits eine ganze Reihe von Interessenten gemeldet. Darunter seien sowohl in- wie ausländische Unternehmen sowohl Finanz- wie auch industrielle Investoren. Namen nannte er nicht. In den vergangenen drei Jahren gab es bereits mehrmals Übernahmegerüchte. Dabei fielen Namen wie der deutsche Elektro-Riese Siemens oder und der chinesische Solar-Konzern Suntech. Einen möglichen Kaufpreis nannte Schorisch nicht: „Es wird kein Preisschild am Zaun hängen.“

Druck für einen Notverkauf hat Schorisch offenbar nicht. Das operative Geschäft laufe und in der Kasse seien 150 Millionen Euro Barmittel. „Q-Cells kann sich für eine gewisse Zeit selbst finanzieren.“ Der Insolvenzverwalter machte am Mittwoch deutlich, dass er auch eine sogenannte Planinsolvenz als charmante Lösung ansieht. Diese habe er bei anderen Firmen in der Vergangenheit bereits öfters erfolgreich durchgeführt. Damit würde der von Q-Cells-Vorstandschef Nedim Cen favorisierte Weg beschritten. Dabei sollen die Gläubiger auf ihr Geld verzichten und im Gegenzug Q-Cells-Aktien erhalten. Der Konzern würde so entschuldet. Diese Art von Neustart ist nach Worten von Schorisch durch die Insolvenz vereinfacht worden. Es gebe zudem positive Signale von den Gläubigern.

Für den Erhalt von Q-Cells spricht nach seiner Ansicht, dass das Unternehmen eine starke Marke besitzt. Der Großteil der Zell-Produktion finde aus Kostengründen bereits im Q-Cells-Werk in Malaysia statt. „Auch jetzt in der Insolvenz haben viele Kunden weiter Vertrauen“, sagt Schorisch. Die Befürchtung, dass sich die Abnehmer wegen unsichererer Produktgarantien scharenweise zurückziehen, habe sich nicht bestätigt. Von daher ist der Verwalter der Ansicht, dass der Solarzellen-Hersteller ohne Massenentlassungen in Bitterfeld-Wolfen saniert werden kann. „Ich bin verhalten optimistisch, viele Arbeitsplätze zu erhalten.“ In Bitterfeld-Wolfen arbeiten rund 1 300 Beschäftigte direkt bei Q-Cells und rund 450 bei der Tochter Solibro. Zudem besitzt der Konzern ein Werk in Malaysia mit 500 Mitarbeitern.