Quedlinburg: Schwamm nagt an Stiftskirche

08.05.2012 18:05 Uhr | Aktualisiert 08.05.2012 22:18 Uhr
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York Hartung

Arbeiten im Schutzanzug: York Hartung wechselt die vom Schwamm befallenen, zu DDR-Zeiten mit Holzschutzmitteln behandelten Hölzer aus. (FOTO: JÜRGEN MEUSEL)

Von Petra Korn
Die derzeit an der Stiftskirche St. Servatius erfolgenden Arbeiten sind eine langfristig geplante Maßnahme zur Schwammsanierung. Im Zuge der Arbeiten wird der gotische Dachstuhl im Hohen Chor in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellt.
Quedlinburg/MZ. 

Hoch oben, am Dachstuhl des Hohen Chores der Quedlinburger Stiftskirche, dröhnt ein Presslufthammer. Ungewöhnliche Geräusche für eine Sanierung. Doch nur so kann ein massiver Betonbalken Stück für Stück entfernt werden. Dieser war in den 1950er Jahren auf das Mauerwerk der Nordseite aufgesetzt worden - als Maßnahme zur Schwammsanierung. "Viel geholfen hat es nicht", sagt Volker Pethe, Sachgebietsleiter Hoch- und Tiefbau bei der Stadtverwaltung Quedlinburg. "Wir haben unter dem Betonbalken einen massiven Schwammbefall festgestellt." So muss nicht nur "Beton in Größenordnungen" entfernt werden. Auch die obersten Schichten des Mauerwerkes sind abzunehmen, die Steine vom Pilzmyzel zu befreien, ehe sie wieder an ihren Platz zurückkehren können.

Lange geplante Maßnahme

Die derzeit an der Stiftskirche St. Servatius erfolgenden Arbeiten sind eine langfristig geplante Maßnahme, sagt Pethe. Als in den Jahren 2005 und 2006 an der Südseite der Kirche das Mauerwerk verfestigt und das Dach neu eingedeckt wurden, war auch ein Schwammbefall entdeckt worden. Dieser wurde auch beseitigt. "Dabei haben wir aber festgestellt, dass der Schwammbefall sich auf der Südseite des Hohen Chores fortsetzt", schildert Pethe. Allerdings war dieser Befall nicht so akut. Und so wurden die Arbeiten beendet, als das Geld alle war und eine chemische Absperrung vorgenommen, damit sich der Schwamm nicht weiter ausbreitet. "Als im Jahr 2009 durch die Bundesregierung ein Sonderprogramm für nationale Unesco-Welterbestätten ins Leben gerufen wurde, haben wir die Möglichkeit gesehen, die Schwammsanierung einzubringen und fördern zu lassen", so der Bauamtsleiter. Die Förderung wurde bestätigt.

Im Herbst 2011 begannen die Arbeiten. Zunächst waren hier umfangreiche Voruntersuchungen nötig, erläutert Pethe. "Das ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit", verweist er auf die baulichen Besonderheiten: Der Hohe Chor wurde ab 1300 in der bis dato romanischen Kirche im gotischen Stil umgebaut und unter Äbtissin Jutta von Kranichfeld um 1320 fertiggestellt. Mit einem gotischen Dachstuhl, welcher um 1938 überformt wurde. So wurde im Zuge der "Wiederherstellung" des romanischen Chorraumes im Inneren anstelle der zurückgebauten gotischen Gewölbe eine flache Holzbalkendecke eingehängt. Mit der Schwammsanierung soll der ursprüngliche gotische Dachstuhl in seinem Bestand als selbstragendes Bauteil wiederhergestellt werden, sagt Pethe. Unabhängig davon soll auch die Holzbalkendecke erhalten bleiben. "Das sind zwei ganz klar bauzeitlich und statisch getrennte Bestandteile."

Abschluss im Sommer gepant

Insgesamt haben die Arbeiten, mit denen nach Ausschreibung die Werkstätten für Denkmalpflege beauftragt wurden, ein Volumen von rund 900 000 Euro. 90 Prozent davon werden über Fördermittel finanziert, zehn Prozent trägt die Stadt. Die Sanierung soll im Sommer abgeschlossen werden.