Gabriele Vester (l.) und Harriett Watts müssen ihr Plakat im Kreistag zusammenrollen, so verlangt es der Kreistagspräsident. (FOTO: CHRIS WOHLFELD)
Großes Aufatmen in Quedlinburg: Der Weiterbetrieb der Lyonel-Feininger-Galerie ist vorerst gesichert. Der Harzer Kreistag hat am Mittwochabend mit nur zwei Stimmen Mehrheit beschlossen, den jährlichen Zuschuss in Höhe von 270 000 Euro auch im kommenden Jahr noch beizubehalten.
Die Abgeordneten folgten damit einem Antrag der SPD-Fraktion. Ab 2013 sollen die Zuschüsse des Landkreises für die Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt in Halle, die seit 2006 die Feininger-Galerie betreibt, auf jährlich 200 000 Euro bis zum Jahr 2015 gekürzt werden. Die von der Verwaltung vorgelegte Beschlussvorlage sah dies bereits ab kommendem Jahr vor. "Danach können wir uns über die Summe erneut unterhalten, da sich die Finanzlage verbessern könnte", hoffte Landrat Michael Ermrich (CDU).
Ursprünglich sollte die Galerie nur noch 130 000 Euro aus der Kreiskasse erhalten. So stand es in der im Januar beschlossenen Haushaltskonsolidierung. "Dies hat damals vermutlich kein Außenstehender wahrgenommen", sagte Ermrich. Er hatte dabei wohl die Welle des Protestes im Blick, die in der vergangenen Woche nach der MZ-Berichterstattung über die drohende Schließung losbrach. "Bei diesem komplexen Thema der Kürzung der Zuschüsse brauchen alle Beteiligten einfach mehr Zeit, um das Defizit ausgleichen zu können", begründete SPD-Fraktionschefin Birgit Voigt den SPD-Antrag, den Kreiszuschuss im kommenden Jahr noch einmal in voller Höhe zu bezahlen. Sie übte gleichzeitig Kritik in Richtung Kreisverwaltung und Stiftung Moritzburg, dass sie sich nicht schon eher um eine Lösung des Finanzproblems gekümmert haben.
Für die CDU-Fraktion würdigte Reiner Schomburg die Bedeutung der Feininger-Galerie. Der Galeriestandort Quedlinburg soll zukünftig als Feininger-Zentrum für Deutschland und ganz Europa ausgebaut werden. Gleichzeitig erinnerte er an die Finanznot des Landkreises. "Wir werden Probleme bekommen, einen höheren Zuschuss, als er in der Konsolidierung vorgesehen ist, der Kommunalaufsicht zu erklären", sagte er. Er forderte eine engere Vernetzung der Galerie mit anderen touristischen und kulturellen Angeboten der Region, um den Bekanntheitsgrad über die Quedlinburger Stadtgrenzen hinaus zu erhöhen. Angesichts der Bedeutung der Kunstgalerie sei die finanzielle Förderung eigentlich eine Landesaufgabe. Carsten Nell, Fraktionschef der Linken, sah es ähnlich. Er forderte, dass der Bund an der Galeriefinanzierung wegen ihrer weltweiten Einzigartigkeit beteiligt werden müsste. Nell unterstützte den SPD-Antrag. Sein Ergänzungsantrag, die Finanzierung bis zum Jahr 2017 auszuweiten, fand aber keine Mehrheit.
"Da wir in der Lage sind, gegen die Haushaltskonsolidierung zu verstoßen, müssen wir uns nun auch zu anderen Einrichtungen mit Massencharakter, wie das Nordharzer Städtebundtheater, finanziell bekennen", betonte Henning Rühe, Chef der Bürgerfraktion. "Der Applaus ist das Brot eines Künstlers, aber ohne Finanzen geht nichts", so Rühe. Er regte deshalb an, einen Kulturfonds im Harz einzurichten.
Der Warnschuss des Kreistages zur drohenden Schließung blieb nicht ohne Wirkung. Björn Egging, Chef der Quedlinburger Feininger-Galerie, zeigte sich über den Kreistagsbeschluss nach der Sitzung erleichtert. Damit sei die Existenz des Hauses nicht mehr gefährdet. Er sei glücklich darüber, dass nun weitergearbeitet werden kann. Jetzt habe man ein Jahr Zeit, "neu nachzudenken und sich öffentlichkeitswirksam neu aufzustellen". So müsse man sich nach neuen Finanzpartnern umschauen, da "der Kreistag unmissverständlich verdeutlichte, dass ab 2013 die Zuschüsse weniger werden."