Das Alternative Jugendzentrum befindet sich in Dessau an der Ecke Schlachthofstraße und Angerstraße. (FOTO: SEBASTIAN)
Die Stadtverwaltung dürfe dieses Fehlverhalten keinesfalls tolerieren, erklärte Christoph Kaßner, Sprecher des Kreisverbandes von Bündnis90 / Die Grünen. "Wir können und werden daher eine Diffamierung von Personen oder Einrichtungen in keinster Weise als Bagatelle hinnehmen. Dem Alltagsrassismus muss konsequent entgegen getreten werden", hob Kaßner hervor.
Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes hatte beim Ausfüllen einer Verwarnung wegen Falschparkens am 19. Mai als Ort "FRIEDERIKENPLATZ NEBEN ZECKENH." eingegeben. Das abgekürzte Wort steht für Zeckenhaus, eine unter Rechten geläufige Benennung für das Alternative Jugendzentrum (AJZ).
"Ich habe die Bezeichnung Zeckenhaus zuvor noch nie gehört", sagt Bürgermeisterin und zuständige Dezernentin Sabrina Nußbeck. Die sei in der Verwaltung auf keinen Fall gebräuchlich. Die Mitarbeiterin habe die Formulierung gedankenlos niedergeschrieben. Sie habe ihren Fehler eingesehen und angeboten, sich beim Verein Alternatives Jugendzentrum zu entschuldigen. Welche personellen Konsequenzen Nußbeck gezogen hat, lässt sie mit Verweis auf die Schutzfunktion des Arbeitgebers offen.
"Wir entschuldigen uns ganz offiziell ", betont Marlis Lindner , Leiterin des Amtes für öffentliche Sicherheit und Ordnung und schließt die betreffende Mitarbeiterin ausdrücklich mit ein. "Wir sind entsetzt, dass eine Kollegin diese Formulierung verwendet", sagt sie und kündigt an, das Gespräch mit dem AJZ zu suchen. Zu diesem habe das Amt gute Beziehungen.
Das bestätigt Steffen Andersch vom Vorstand des Vereins. Seit 15 bis 20 Jahren würden Amt und Verein bei vielen Veranstaltungen zusammenwirken. Das Bündnis "Gelebte Demokratie" nennt Andersch, den Lokalen Aktionsplan, die Demonstrationen gegen Rechts. Umso mehr sei er irritiert und enttäuscht, dass das Engagement des Vereins für die Stadt in Sachen Demokratie und Weltoffenheit so diffamiert werde.
Er geht deshalb ebenfalls von der Verfehlung einer einzelnen Mitarbeiterin aus, zumal "unsere Recherchen keine weiteren Fälle ergeben haben", und hofft auf eine Sensibilisierung in der Stadtverwaltung sowie eine transparente Aufklärung.
"Es muss nicht jeder wissen, was mit dem Begriff Zecken gemeint ist", räumt Andersch ein. Mitarbeiter im Stadtordnungsdienst aber sollten wissen, dass dieses Wort im rechtsextremen Sprachgebrauch zum Beispiel nicht nur Linke, sondern auch Gewerkschafter und engagierte Kirchenvertreter meint. Andersch könnte sich durchaus eine Schulung der Mitarbeiter vorstellen. Der Verein unterbreitet derartige Bildungsangebote.