Am Montag sitzt er im Landtag vor dem Untersuchungsausschuss, der sich mit dem Zwickauer Mördertrio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe befasst. Es geht um die Vorgeschichte der Mordserie, die 2000 begann und zehn Menschen das Leben kostete. Es geht um die Jahre in Jena, als sich nach der Wende eine gefährliche rechtsextremistische Szene herausbildete, die es heute noch gibt.
"Ich kann kein Fehlverhalten entdecken", meint Schuster. In seiner Amtszeit als Innenminister bis 1994 sei nicht einmal Gewaltkriminalität im Rechtsextremismus feststellbar gewesen. "Und der Mord in Arnstadt am 18. Januar 1993", fragt die Abgeordnete Martina Renner (Linke). "Ich bleibe dabei", sagt Schuster. Und Kommunikationsdefizite bei den Sicherheitsbehörden? "Welche Defizite? Es war völlige Kommunikation."
Wer Schuster zuhört, kann nicht begreifen, was sich in Thüringen in der Neonaziszene abgespielt hat. Alles klingt danach, als hätten die Sicherheitsbehörden die Dinge im Griff gehabt und als seien die zehn Morde ohne ein Umfeld, ohne Vorgeschichte passiert. Irgendwie aus heiterem Himmel. Doch auch der Ausschuss wirkt nicht so, als könne er Licht ins Dunkel bringen.
Vor Schuster waren frühere Jugend-Dezernenten und Jugendamtsmitarbeiter an der Reihe. Es gibt ein altes Foto, das Uwe Mundlos in rechtem Outfit zeigt, neben ihm Jugenddezernent Stephan Dorschner. Damals sei doch schon erkennbar gewesen, wohin die Entwicklung gehe, sagt ein Abgeordneter. Damals, das war 1991, erinnert ihn Dorschner an die Zeit, als es noch überhaupt keine qualifizierten Sozialarbeiter gab und man sich irgendwie mit ehemaligen Kulturschaffenden behalf. Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt? Nein, er kannte sie nicht.
Auch Reinhard Schwabe vom Jugendamt nicht. "Wir wurden früh mit rechten Gruppen konfrontiert. Wir haben das immer ernst genommen", sagt er. Und irgendwann später sagt er den Satz: "Jugendarbeit kann die Welt nicht retten." Und die Sicherheitsbehörden? Die Arbeitsweise sei "katastrophal" und "erbärmlich" gewesen, lautet das Fazit des ehemaligen Bundesrichters Gerhard Schäfer, der die Tätigkeit des Landeskriminalamtes und des Verfassungsschutzes untersucht hat.