Tomas Tulpe aus Berlin zieht eine mächtige Bühnenshow ab und brüllt seine Depressionen raus. (FOTO: KUNZE)
"Rock im Tierpark" in Seyda. Diese etwas schrille, aber friedliche Veranstaltung fand auch in der sechsten Auflage in Folge regen Publikumszuspruch. Bis Berlin, Wittenberg und Torgau hat sich dieses Event im Rahmen des Schul- und Heimatfestes mittlerweile herumgesprochen. "Das ist einfach geil hier, scheiß auf den Spritpreis", meinte "Ollie" aus Torgau. Sechs Formationen wechselten sich auf der Bühne, einem Lkw-Sattelauflieger ab und spielten bis weit nach Mitternacht.
Organisiert wird das Spektakel alljährlich von engagierten jungen und älteren Leuten aus Seyda. Was sie verbindet, ist der Ehrgeiz, Fans etwas Außergewöhnliches bieten zu wollen. Das Spektrum der Musik reicht dabei von Rock über Punkrock bis Elektropop.
Federführend sind Werner Srugies und Johannes Heinitz in Zusammenarbeit mit anderen Seydaern. Das Bandfestival wird lange im Voraus organisiert und geplant. Die Schienen, auf denen das abläuft, sind vielfältig. Mundpropaganda, eigene Konzertbesuche, bei denen man auf talentierte Nachwuchsbands aufmerksam wird, oder persönliche Kontakte. "Diesmal haben wir erstmals das Internet offensiv genutzt und sind gut fündig geworden", sagte Johannes Heinitz der MZ.
Sechs Bands waren vertreten, "Halbstark" aus Halle / Saale gestaltete den Auftakt. Die Band gibt es seit April 2010, Punkrock ist ihr Markenzeichen. Zehn eigene Titel haben die Halbstarken bereits komponiert, der Rest wird gecovert. "Für eine eigene erste CD reicht es noch nicht, aber wir bleiben dran", versicherte selbstbewusst Bandleader "Tschirp". Ihren Auftritt gestalteten sie ungezwungen, holten sich aus dem Publikum sogar spontan Verstärkung, "Herr Soimer" aus Seyda ließ sich nicht lange bitten und sang mit.
Eine ziemlich schräge Nummer zog Tomas Tulpe aus Berlin als Solist ab. Der 23-Jährige tobte sich auf dem Sattelaufleger so richtig aus, Mikrofon schwingend und über die Bühne rollend oder stampfend. Seine Songs waren nicht immer jugendfrei, aber originell. "Hunger, Hunger, Happa, Happa" oder "Mein Körper funktioniert" hießen da schon die harmloseren Titel. Als "elektronische Wurstmusik" bezeichnet er seine Stilrichtung, die in einzelnen Passagen sehr an die Neue Deutsche Welle aus den 1980er Jahren erinnert. "Ich brauche diese Art mich auszutoben, um meine Depressionen regelrecht rauszubrüllen." Welche Depressionen denn? "Ich habe jahrelang allein mit meiner Mutter gelebt. Noch Fragen?", grinste er.
Die Seydaer Organisatoren und die mitwirkenden Gruppen sind stolz, was sie da jedes Jahr auf die Beine stellen. "In der Region sucht unser Tierpark-Rock wohl seinesgleichen. Andere träumen von so was nur", ist Johannes Heinitz überzeugt. David Arndt ergänzt: "Ich finde es toll, dass die Bands ohne Gage spielen und wir somit keinen Eintritt zu nehmen brauchen. Das erklärt wohl auch den regen Zuspruch durch die Jugendlichen." Für Kost und Logis der Musiker sorgen die Seydaer Fans. Unterstützt wird der Tierpark-Rock auch von einigen wenigen Sponsoren aus der Region.