Pistole und Revolver vor einem Waffenschrank. (SYMBOLFOTO: ARCHIV/DPA)
Schock im Südharz: Gemeinderat Manfred Schulze (Die Linke, Fraktion Kleine Dörfer Südharz) hat sich am Mittwoch das Leben genommen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes Mansfeld-Südharz und Polizeibeamte hatten am Morgen an seiner Haustür geklingelt, um die Waffen des Sportschützen abzuholen. Daraufhin hat sich der ehemalige Kriminalbeamte in seinem Haus im Südharzer Ortsteil offenbar vor den Augen der Beamten mit einem Revolver erschossen. Nach MZ-Informationen konnte ein Notarzt den 64-jährigen zwar noch wiederbeleben, aber wenig später verstarb der Schwerverletzte im Rettungswagen. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.
Gegen Schulze war wegen Urkundenfälschung ermittelt worden. Er habe die Vorwürfe eingeräumt und damit automatisch auch seine Berechtigung für den Besitz von Waffen verloren, begründete Landrat Dirk Schatz (CDU) die Aktion der Behörde. Bereits zweimal seien die Mitarbeiter des Landkreises deshalb vergeblich in Roßla gewesen. Ausgangspunkt für den Verlust des Waffenscheines waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Halle. So hatte Schulze offenbar Sachkundenachweise für angehende Schützen gefälscht, die eine waffenrechtliche Erlaubnis erhalten wollten.
"Wir ermitteln zwar noch die genauen Umstände seines Todes, aber wie sich die Situation jetzt darstellt, war es Suizid", sagte Polizeisprecher Ralf Karlstedt von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd auf Nachfrage. Zudem sei man in diesem Fall nur indirekt beteiligt gewesen. "Wir sind einem Hilfeersuchen aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz gefolgt", sagte der Sprecher. Dies sei übliche Praxis.
Axel Heller, Mitglied des Gemeinderates und Fraktionskollege von Schulze, sprach von einer menschlichen Tragödie. "Auch wenn Manfred manchmal sehr impulsiv war und mitunter auch über das Ziel hinausgeschossen ist, so ging es ihm immer um die Sache", sagte Heller. Zudem sei sein Tod nicht nur ein Verlust für den Gemeinderat, sondern auch für das gesellschaftliche Leben. So hatte sich Schulze in den Schützenvereinen der Gemeinde engagiert und zuletzt den Vorsitz der Antennengemeinschaft übernommen.
Südharz-Bürgermeister Ralf Rettig (CDU), einer der politischen Widersacher Schulzes, wollte sich nicht äußern. "Kein Kommentar", sagte Rettig. Landrat Schatz zeigte sich indes bestürzt von dem Vorfall. Zugleich reagierte er fassungslos darauf, dass es innerhalb der Kreisverwaltung keine klaren Regeln für den Einzug von Waffen gibt und Mitarbeiter diese mitunter ohne Polizeischutz sicherstellen. "Das wird auf jeden Fall geändert", sagt der Landrat.