Saalekreis: Nudeln kamen aus Holleben

26.06.2012 21:21 Uhr | Aktualisiert 26.06.2012 22:57 Uhr
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Mühle

Einst wurde in der Mühle Mehl gemahlen, dass auf dem Gelände zu Nudeln verarbeitet wurde. (FOTO: GÜNTER BAUER)

Von Claudia Crodel
Das Barocke Ensemble um die Wassermühle in Holleben hat eine reizvolle Geschichte. Ursprünge der sanierungsbedürftigen Anlage sind über 1 000 Jahre alt. Eine Rettung ist nicht in Sicht.
Holleben/MZ. 

Besondere Entdeckungen kann meist der machen, der bereit ist, mal von den üblichen Wegen abzuweichen. So ist das auch in Holleben. Ein wenig abseits von der Hauptstraße befindet sich die alte Wassermühle, ein barocker Gebäudekomplex, der den Vorbeikommenden durchaus in Staunen versetzt. Es handelt sich um eine der ältesten Wassermühlen Deutschlands. Ihr Zustand allerdings lässt viel zu wünschen übrig. In den 90er Jahren hatte die Gemeinde noch versucht, das Areal in kleinen Schritten zu sanieren. Es wurde zum Beispiel das Dach im vorderen Mühlenbereich neu gedeckt. Es gab sogar Pläne für eine Nutzung, beispielsweise als Treffpunkt von Vereinen. Doch dafür wäre viel Geld notwendig gewesen, das bis heute nicht zur Verfügung steht. Nun tut sich dort schon seit Jahren nichts mehr.

"Das Objekt ist gesichert. Aber außer dem Hochwasserschutz passiert im Moment nicht viel", sagt Feuerwehrleiter Helmut Kitze, der viele Jahre lang Bürgermeister war.

Lang ist es her, da klapperte die Mühle einst am rauschenden Mühlgraben, der von der Saale herkommend im Mittelalter angelegt worden sein soll. In welchem Jahr die Mühle entstand, ist nicht ganz sicher. Verbrieft ist, dass Herzog Johann Georg die Mühle im Jahr 1618 vergrößern ließ.

In alten Überlieferungen von Hersfelder Mönchen aus dem 9. Jahrhundert wird allerdings erzählt, dass sie die Kirche in Holleben bauten und wahrscheinlich auch die Wassermühle. Im Jahr 1730 wurde die Mühle erneut umgebaut und erhielt ihr bis heute erhaltenes Gesicht mit dem barocken Portal. Ein kurfürstliches Wappen ist noch immer am Getreidespeicher der Mühle zu sehen. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten mehrfach die Besitzer des Gebäudekomplexes.

Nach den Mönchen kamen die Sachsen-Herzöge und später ging er in den Besitz von Karl Rudolf Busse und Heinrich Schüller über. Als sich die Mühle in Privatbesitz befand, ging es dort bei Weitem nicht nur um das Mahlen von Korn. Auf dem Gelände wurden auch Nudeln hergestellt. Die Energie für die Teigproduktion gewannen die Betreiber mit einer Dampfmaschine.

Die Nudelproduktion wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch fortgesetzt. Der Mühlenkomplex wurde unter staatliche Verwaltung gestellt. 1956 wurde die Produktion jedoch wegen Unrentabilität eingestellt. Heute ist von dieser einstigen Nudelfabrik nicht mehr viel zu sehen.

Im Mühlengebäude wurde auch zu späterer DDR-Zeit noch Getreide gelagert, und zwar auf drei Ebenen. Das Problem: Es war viel mehr, als die Statik des Gebäudes es eigentlich erlaubt hätte. Das war nicht gut für die Bausubstanz. Das Fundament geriet aus den Fugen und die Außenwände verformten sich.