Sachsen-Anhalt: Billiger Fisch statt edler Seezunge

23.04.2012 12:02 Uhr | Aktualisiert 18.06.2012 22:48 Uhr
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Von Kerstin Metze
In Sachsen-Anhalt decken Test-Esser Betrug in Restaurants auf. Bei einer Stichprobe unter 19 Fischgerichten, die als Seezunge oder Seezungenfilet deklariert waren, wurden nur vier wirkliche Seezungen gefunden. Die Gäste bezahlen ungerechtfertigt viel.
Halle (Saale)/MZ. 

Der Gast bestellt teure Seezunge im Restaurant, bekommt aber Pangasius oder anderen billigeren Fisch serviert - in 14 von 19 Lokalen ist das Testern jetzt in Sachsen-Anhalt passiert. Das ZDF-Verbrauchermagazin "Wiso" hat am Montagabend darüber berichtet und sagt: "Nur jeder fünfte als Seezunge verkaufte Fisch ist wirklich Seezunge."

Gegessen worden war vor allem in Gaststätten, die mit gesunder Mittelmeerkost werben. Die Reporter hatten die Täuschung beim Essen selbst bemerkt oder Fisch-Proben in einem Labor untersuchen lassen. Nach Aussage von Maja Helmer, Autorin des Fernsehbeitrages, sind die Ergebnisse den Wirten und den zuständigen Lebensmitteluntersuchungsämtern zur Verfügung gestellt worden. "Die Ämter haben mit Nachkontrollen begonnen", sagt Helmer. Die Gaststätteninhaber hätten die Schuld zumeist auf ihre Lieferanten geschoben.

Preisunterschied von 21 Euro je Kilo

Als Skandal bezeichnet Wolfgang Schildhauer, Hauptgeschäftsführer des Gaststättenverbandes Dehoga von Sachsen-Anhalt, das stichprobenartige Testergebnis. Es sei unlauter, mit einer Speisekarte die Kauflust von Gästen zu wecken, dann zu schummeln und ungerechtfertigt abzukassieren. "Die ganze Branche gerät in Verruf", sagt Schildhauer. Während das Kilogramm Seezunge aus der Nordsee im Einkauf mindestens 25 Euro kostet, ist Pangasius bereits für vier Euro zu haben. Im Landkreis Wittenberg, wo das Seezungen-Testessen wie auch in Halle, Dessau oder Köthen stattgefunden hatte, ist die Überwachungsbehörde bereits tätig geworden. Petra Hintersdorf, die Sachgebietsleiterin, ist fassungslos, dass ein Gastwirt beim verdeckten Besuch ihrer Kollegin wieder Pangasius statt der angepriesenen Seezunge präsentiert hat. "Dabei hätte er schon nach dem Wiso-Test reagieren können", sagt sie. Nun seien eine Untersagung ausgesprochen und Ermittlungen eingeleitet worden.

Fachliche Qualifizierung fehlt

Wolfgang Schildhauer plädiert dafür, die Schummler anzuzeigen und ihre Machenschaften schonungslos zu verfolgen. Das sei man den vielen ehrlichen Gaststätteninhabern im Land schuldig. Allerdings müsse genau untersucht werden, ob die Täuschung nicht tatsächlich bereits bei den Lieferanten begonnen habe.

Der Dehoga-Chef kritisiert die unzureichende fachliche Qualifizierung in einigen Gaststättenbetrieben. Die Ausbildung müsse viel mehr gefördert werden. "Am alten Sprichwort ,Wer nichts wird, wird Wirt', ist heute leider immer noch was dran", sagt Schildhauer. Die fachlichen Kenntnisse ließen zu wünschen übrig, bei der Eröffnung einer Gaststätte interessiere niemanden, ob der Inhaber oder sein Koch eine Seezunge von einem Pangasius unterscheiden könne. Insofern möchte er den entlarvten Schummlern auch nicht in jedem Fall absichtliche Kundentäuschung unterstellen.