Sachsen-Anhalt: Interesse am freiwilligen Engagement sinkt

01.05.2012 10:36 Uhr | Aktualisiert 01.05.2012 10:37 Uhr
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Studie über Ehrenämter

In Sachsen-Anhalt sinkt das freiwillige Engagement. (FOTO: DPA)

Von Dörthe Hein
Die Sachsen-Anhalter engagieren sich laut einer Studie immer weniger freiwillig. Die Freiwilligenagenturen verspüren hingegen eher Zulauf und empfehlen Vereinen und Unternehmen, neue Wege auf der Suche nach Helfern zu gehen.
Halle (Saale)/dpa. 

Eine Studie bescheinigt den Menschen in Sachsen-Anhalt sinkendes Interesse am freiwilligen Engagement. Über mangelndes Interesse können viele Freiwilligenagenturen aber nicht klagen. «Wir haben eine kontinuierlich wachsende Nachfrage», sagte der Geschäftsführer der Freiwilligenagentur Halle, Olaf Ebert, in einer dpa-Umfrage. Kamen nach der Gründung 1999 jährlich rund 150 bis 200 Menschen, seien es inzwischen 790, die sich im Laden zu Möglichkeiten, sich zu engagieren, beraten ließen. Christina Schäfer von der zehn Jahre alten Freiwilligenagentur Nordharz sagte: «Das Interesse wächst, inzwischen aber nicht mehr so stark.»

Laut einer Studie erlitt das freiwillige Engagement im Land zwischen 2004 und 2009 einen empfindlichen Rückschlag. Bei einem Dialogforum soll am 3. Mai in Magdeburg über die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements beraten werden.

Ebert ist zugleich Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt und stellt fest: «Die Menschen sind zunehmend weniger bereit, sich in Vereinsstrukturen dauerhaft zu engagieren.» Dass Projekte deutlich stärker gefragt sind, merken auch Schäfer und die Leiterin der Magdeburger Freiwilligenagentur, Birgit Bursee. Junge wie alte Menschen wollten und könnten immer weniger sagen, was in einigen Jahren sei, deshalb fehlten vielfach Freiwillige. «Die Telefonseelsorge und Hospizarbeit haben erhebliche Probleme», sagte Bursee. Hier sei eine aufwendige Qualifizierung nötig, wenn sich jemand nicht auf Dauer engagieren wolle, lohne das nicht.

Der Studie «Bürgerliches Engagement in Sachsen-Anhalt» von TNS Infratest Sozialforschung zufolge engagieren sich vor allem bei Sport und Bewegung sowie in Kindergarten und Schule deutlich weniger Menschen freiwillig. In keinem anderen ostdeutschen Bundesland sei das so stark gewesen. Mehr Engagement im sozial- und gesundheitlichen Bereich habe das nicht aufwiegen können. Die Studie war im Dezember 2011 in Fachkreisen vorgestellt worden.

Einen starken Rückgang des Engagements stellten die Forscher bei den Unter-30-Jährigen fest. 1999 engagierten sich noch 35 Prozent freiwillig, bis 2009 sank der Wert auf 23 Prozent. Bei den Menschen ab 60 Jahren stieg die Quote von 17 Prozent auf 21 Prozent. Bei den 31- bis 45-Jährigen blieb das Engagement recht hoch bei rund 36 Prozent. Eine rapide sinkende Bereitschaft, sich einzubringen, stellten die Forscher bei den Männern im Alter bis zu 45 Jahren fest. 2004 waren noch 40 Prozent engagiert, 2009 nur noch 30 Prozent.

Vor allem im Sportbereich sei das Engagement stark zurückgegangen, sagte Ebert. Er ist überzeugt: «Ein Maßnahmebündel ist notwendig.» Vereine und Verbände, aber auch andere, die Freiwillige suchten, müssten stärker an sich arbeiten. Sie müssten Entscheidungen treffen: Welche Aufgaben können Freiwillige übernehmen? Welche Hauptamtliche? Welche Qualifikationen sind nötig?

Wie Ebert sieht auch Birgit Bursee es als notwendig an, mit Freiwilligen anders umzugehen und ihre Arbeit anzuerkennen. «Selbst wenn sie keinen Lohn bekommen, ist ihre Arbeit nicht umsonst», sagte Bursee. Die Formen der Anerkennung könnten reichen von einer Qualifizierung bis zu einer Eintrittskarte. «Man muss sich auch nach dem Befinden der Freiwilligen erkundigen», sagt Ebert. Bursee ergänzt: Es müsse klar sein, Freiwillige sind keine Ausputzer. Vielfach gebe es aber auch kein Freiwilligenmanagement, Ansprechpartner fehlten, die Mitgestaltungsmöglichkeiten seien unklar.