Kultusminister Stephan Dorgerloh will das "Schulnetz noch ein Stückchen optimieren". (ARCHIVFOTO: DPA)
Gut 60 der 505 öffentlichen Grundschulen in Sachsen-Anhalt droht wegen zu geringer Schülerzahlen in den nächsten Jahren das Aus. "Wir müssen unser Schulnetz noch ein Stückchen optimieren und eine sinnvolle Balance hinbekommen - ohne, dass die Kinder überlang in den Bussen sitzen müssen", sagte Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) der MZ.
Eigentlich ist für Grundschulen, die von ihren Gemeinden getragen werden, eine Mindestschülerzahl von 60 vorgeschrieben. Ausnahmen sind nur erlaubt, wenn die betroffene Grundschule die einzige in ihrer Gemeinde ist. Die Grundschulen stehen nun nicht nur vor dem Aus, weil die Schülerzahlen weiter sinken - auch die Gemeinden sind gewachsen: Mit der letzten Gebietsreform mussten die kleineren Orte zu größeren Verbands- oder Einheitsgemeinden fusionieren - in denen es in der Regel nun mehrere Grundschulen gibt.
Insgesamt 87 Grundschulen haben derzeit weniger als 60 Schüler, sechs davon sind sogar Zwergschulen mit weniger als 40 Schülern. Die Zwergschulen sind laut Dorgerloh nicht zu halten, von den übrigen 81 stünden "mindestens zwei Drittel" zur Disposition. Die konkreten Standorte wollte der Minister nicht nennen. Einen ähnlichen großen Einschnitt in die Schulstruktur hat Sachsen-Anhalt zuletzt 2010 erlebt, als 46 Grundschulen schließen mussten.
Dorgerloh sieht auch zunächst die Kommunen am Zug. Sie sollen als Schulträger nun Fusionen prüfen. "Die jetzige Verordnung zur Schulentwicklungsplanung bleibt bestehen. Es wird aber nicht mehr in der jetzigen Größenordnung Ausnahmegenehmigungen geben", sagte Dorgerloh. Unter 60 Schülern will er nur noch Standorte genehmigen, wo der Schulweg für betroffene Kinder "überlang" werde, was etwa in einigen Gegenden der dünn besiedelten Altmark droht. Zu kleine Schulen gelten unter anderem als problematisch, weil dort bei einer Handvoll Mitarbeiter der Ausfall einer Lehrkraft nicht mehr auszugleichen ist und eine kleinteilige Schullandschaft teuer ist.
Aber auch Schulen mit mehr als 60 Schülern geraten unter Druck. Das Land will in den nächsten Jahren in großem Stil mit EU-Mitteln Schulen und Kindergärten sanieren. Geld aus dem Stark-III-Programm soll aber nur in Schulen fließen, die zukunftsfähig sind: Laut Dorgerloh müssen sie nachweisen, bis 2023 mindestens 100 Schüler zu haben. Derzeit haben fast 200 Schulen zwischen 60 und 120 Schülern.