Das Denkmal erinnert an die Opfer, für die es kein Grabmal gibt. (FOTO: MZ)
"Wer macht denn so etwas und nimmt den Toten die Sachen weg?" Lieselotte Kollert ist die Verzweiflung anzuhören, als sie von ihrem Sohn und der Schwiegertochter erzählt, die bei dem verheerenden Erdrutsch von Nachterstedt ums Leben kamen. Damals, als 2,8 Millionen Kubikmeter Erde in den Concordia See rutschten und anderthalb Häuser, vor allem aber drei Menschen mit sich in die Tiefe rissen. Heute erinnert ein Denkmal an die schwere Zeit, an die Ohnmacht und die Trauer - und an die Opfer, die nie vergessen werden sollen. Hier legt Familie Kollert, wann immer es die Zeit erlaubt, Blumen ab, es werden Äste weggeräumt, zu besonderen Anlässen bepflanzte Schalen aufgestellt. Und auf genau die hatten es nun schon zum wiederholten Mal Diebe abgesehen.
"Im Mai - zum Geburtstag der Schwiegertochter - haben wir eine Schale mit Geranien mitgebracht", erzählt Lieselotte Kollert, die kurz danach einen Anruf erhielt: Die Blumen sind weg. "Ich war wirklich, wirklich wütend und so erbost", gesteht die Rentnerin. "Das müsste doch bestraft werden", fordert sie in ihrem Zorn und meint mit leiser Stimme: "Da vergeht es einem, überhaupt noch etwas hinzustellen."
"Ich verstehe die Empörung, die Wut und die Traurigkeit der Angehörigen", nickt Heidrun Meyer, die die dreiste Tat der Diebe als Unverschämtheit bezeichnet. "Sie sollten einmal überlegen, was sie dort wegholen", richtet die Bürgermeisterin der Stadt Seeland ihr Unverständnis an die Adresse der Täter. "Wie kann man Toten etwas wegnehmen und es sich dann in den Garten oder das Wohnzimmer stellen - das ist doch schrecklich", spricht sie von dieser Pietätlosigkeit.
"Ich möchte wissen, wo die Moral von diesen Leuten bleibt, deren Hemmschwelle immer tiefer sinkt", denkt sie auch an den jüngsten Fall, wo in Gatersleben zwei schmiedeeiserne Friedhofstore gestohlen wurden. Mit welchem Recht würden die Täter solche Dinge zerstören? "Da freut man sich, dass man etwas Schönes geschaffen hat und dann gibt es Einzelne, die alles wieder kaputt machen", zeigt sich die Bürgermeisterin empört und macht klar: "Ich fordere ganz klar härtere und vor allem schnellere Strafen, damit das auch abschreckt. Was bringt es denn, wenn die Polizei nur die Personalien feststellen darf und die Täter dann wieder auf freien Fuß setzen muss?" Denn auch die Blumendiebe wussten ganz genau, was sie da taten. "Das war kein Dummerjungenstreich, das war gezielt", ist die Seeland-Bürgermeisterin überzeugt und kündigt für die Zukunft verstärkte - auch nächtliche - Kontrollen im Bereich des Nachterstedter Mahnmals an. "Damit so etwas nicht noch einmal geschieht."