Salzlandkreis: Autoschlüssel wird nicht in Saale gesucht

14.05.2012 19:21 Uhr | Aktualisiert 14.05.2012 19:38 Uhr
Drucken per Mail
Justizia

Am Mittwoch soll das Urteil gesprochen werden. (SYMBOLFOTO: DPA)

Von christian wohlt
Am Mittwoch soll das Urteil im Fall des 29-jährigen Andree K. gesprochen werden, der den 39-jährigen Bernburger Andreas R. am 2. Januar 2012 brutal zusammengeschlagen, anschließend gefesselt und bei Neuborna in die Saale geworfen haben soll, in der Absicht ihn umzubringen.
magdeburg/Bernburg/MZ. 

"Sie haben selbstverständlich das Recht, weitere Beweisanträge zu stellen. Die Frage ist aber, welche Ergebnisse das bringt." Mit diesen Worten, an Verteidiger Jan-Robert Funck gewandt, beendete der Vorsitzende Richter, Dirk Sternberg, den Verhandlungstag gegen Andree K. vor dem Magdeburger Landgericht am Montag.

Dem 29-jährigen gebürtigen Kasachen wird versuchter Mord vorgeworfen, weil er den 39-jährigen Bernburger Andreas R. am 2. Januar 2012 brutal zusammengeschlagen, anschließend gefesselt und bei Neuborna in die Saale geworfen haben soll, in der Absicht ihn umzubringen. Das Opfer rettete sich mit schweren Kopfverletzungen und stark unterkühlt ans andere Ufer.

Die Zeugenvernehmungen am Montag brachten offensichtlich keine weitreichenden neuen Erkenntnisse mehr. Ein Zeuge wurde auf Antrag der Verteidigung sogar kurzfristig noch am selben Tag geladen und zum Gericht nach Magdeburg gebracht. Es handelt sich um einen Bewohner des Bernburger Pflegeheims, in dem das Opfer Hilfe gesucht hatte, nachdem es sich aus dem Wasser retten konnte. Der 69-jährige Zeuge, der schon mit der Angabe seines Alters Probleme hatte, konnte sich allerdings an nichts erinnern, was den Fall betrifft. Für den nächsten Prozesstag am Mittwoch soll nun noch eine Pflegerin des Seniorenheimes "Am Rosenhag" als Zeugin gehört werden.

Weitere Beweisanträge der Verteidigung lehnte die 1. Große Strafkammer ab. Dabei ging es unter anderem darum, den verschwundenen Autoschlüssel des Opfers, den der Angeklagte in die Saale geworfen haben will, zu finden. Diese Suche, so Richter Dirk Sternberg, gleiche der nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Auch sei es unerheblich, bei welcher Krafteinwirkung eine Mineralwasserflasche zerbreche. Andree K. hatte eingeräumt, Andreas R. eine solche Glasflasche über den Schädel gezogen zu haben. Es reiche, dass durch einen solchen Schlag jemand zu Tode kommen könne, wie es ein Sachverständiger festgestellt hatte. Der Richter verwies auf das Gebot einer möglichst schleunigen Verhandlungsführung, das dadurch bestärkt werde, dass der Angeklagte in Untersuchungshaft sitzt.

Nach der erneuten Zeugenvernehmung sind nun am Mittwochnachmittag die bereits für Montag geplanten Plädoyers von Oberstaatsanwältin Martina Klein und Verteidiger Jan-Robert Funck vorgesehen. Sollten diesem Vorhaben keine neuen Entwicklungen im Wege stehen, will das Gericht noch am selben Tag ein Urteil verkünden. "Wir sind optimistisch, dass wir zum Ende kommen", so Richter Dirk Sternberg. Rechtsanwalt Jan-Robert Funck erklärte, dass er derzeit keine neuen Beweisanträge habe, sich aber vorbehalte, weitere zu stellen.