Salzlandkreis: Der Plötzkauer Raubritter

06.05.2012 19:23 Uhr | Aktualisiert 06.05.2012 20:22 Uhr
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Bogenschießen

Unter den Augen der Einheimischen Iwan Wasiliga (links), Kirsten Trebing und Tino Amelang (rechts) schießt MDR-Moderator Mario D. Richardt seinen ersten Pfeil über die Saale. (FOTO: ENGELBERT PÜLICHER)

Von torsten adam
MDR-Moderator gewinnt in Großwirschleben zwar die Dorfwette, landet aber trotzdem in der Saale. Der Ort hofft auf 300 000-Euro-Gewinn für St. Bonifatius.
grosswirschleben/MZ. 

"Puh, ihr glaubt gar nicht, wie das stinkt". Vollkommen durchnässt steigt Mario D. Richardt aus der Saale. Der Moderator der MDR-Fernsehshow "Mach dich ran" hat soeben die Dorfwette in Großwirschleben gewonnen. Umsonst. Denn den von Tino Amelang vorgegebenen Wett-einsatz für den Fall einer Niederlage, das Anbaden in der Saale, hatte der 36-Jährige unfreiwillig eingelöst.

Am Freitagnachmittag war in Großwirschleben fast das ganze Dorf auf den Beinen. Der Mitteldeutsche Rundfunk drehte erste Aufnahmen für die "Mach Dich ran"-Show am Pfingstmontag. Dann wird der Plötzkauer Ortsteil im Wettstreit mit den Gemeinden Burkhardswalde (Sachsen) und Lohma (Thüringen) um 300 000 Euro kämpfen, die die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) ausgelobt hat. Die Großwirschlebener wollen mit dem Geld ihre Kirche St. Bonifatius sanieren, die von der Stiftung zur "Kirche des Monats Februar" gekürt worden war und dafür bereits 15 000 Euro erhalten hatte.

Am Freitag sollte Mario D. Richardt von der Großwirschlebener Festwiese aus Pfeile ans andere Saale-Ufer schießen und mit einem Kanu mindestens drei wieder zurückholen. Seine Zeitvorgabe: acht Minuten. Durchaus zu schaffen, glaubte Tino Amelang vom Sport- und Heimatverein Großwirschleben, der am Vorabend bei einem Probelauf die Aufgabe nach eigenen Angaben "in fünf, sechs Minuten" bewältigt hatte.

Die Schaulustigen - rund 100 Menschen hatten sich am Ufer versammelt - sollten vor dem Start die richtige Zeit tippen. Fleischermeister Bernd Köbel aus Plötzkau gab sich skeptisch. Er notierte 17:10 Minuten auf seinem Zettel, korrigierte anschließend sogar auf 37:10 Minuten, nachdem der MDR-Moderator eingeräumt hatte, noch nie Pfeil und Bogen in der Hand gehabt zu haben. "Ein Plötzkauer würde das in sieben Minuten schaffen. Wir waren schon immer Raubritter", sagte Köbel schmunzelnd. Mario D. Richardt durfte sich wenig später durchaus als "Plötzkauer Raubritter geadelt" fühlen. Denn er bewältigte die Aufgabe in exakt 7:45 Minuten. Kirsten Trebing und Iwan "Wanja" Wasiliga aus Plötzkau hatten sich als mittelalterliche Bogenschützen verkleidet und gaben dem Mann vom Fernsehen Hilfestellung. Nachdem sein erster Schuss noch zu kurz geriet, landeten anschließend genügend Pfeile am etwa 60 Meter entfernten Ostufer. Richardt paddelte los, hatte die Saale unter Aufsicht der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft schnell überquert - und landete beim Ausstieg aus dem Boot zum ersten Mal im Wasser. Seine kurzen Hosen sollten sich dann als schlechte Wahl erweisen, denn die Pfeile waren in einem Brennesselfeld gelandet. Auch bei der Rückkehr nahm der Moderator ein Bad in der Saale, deren Temperatur Tino Amelang mit 19 Grad Celsius angab. "Die Taufe ist bestanden", verkündete der Gastgeber mit ein wenig Schadenfreude. "Das war nicht beabsichtigt, ich habe nicht mal Wechselkleidung mit", bekannte Richardt, der seinen Humor deshalb aber nicht verlor.

Noch mehr strahlte Max Petokeleit. Der kleine Großwirschlebener, am Vortag neun Jahre alt geworden, lag mit seinem Tipp (7:59 Minuten) am besten. Ihm eröffnete sich damit die Chance, in der 906. "Mach dich ran"-Sendung 906 Euro zu gewinnen. Letzte Hürde: Der Junge musste richtig erraten, ob Richardt es geschafft hatte, für eine Kinder- und Jugendeinrichtung in Erfurt binnen 24 Stunden das Aufstellen eines Spielgerätes zu organisieren. Max traute es dem MDR-Team zu. Ob er damit richtig liegt, zeigt sich, wenn das Licht angeht: Und zwar am Pfingstmontag im MDR-Studio, wenn es für die Großwirschlebener live zwar nicht um die Wurst, aber eine Menge Geld für die Rettung ihres Gotteshauses geht.