Salzlandkreis: Ein Fest lebt wieder auf

25.05.2012 19:33 Uhr | Aktualisiert 25.05.2012 20:47 Uhr
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Silvia Wojtaszek

Silvia Wojtaszek kümmert sich um die Ankündigung für das Hertlingsfest. (FOTO: E. PÜLICHERR)

Von Paul spengler
Der Heimatverein Plötzkau hat sich für Freitag, 1. Juni, vorgenommen, ein Fest zu Ehren einer Frau zu organisieren, der die Gemeinde viel zu verdanken hat: Auguste Henriette Hertling (1771 bis 1846).
Plötzkau/MZ. 

Der Heimatverein Plötzkau hat sich für Freitag, 1. Juni, vorgenommen, ein Fest zu Ehren einer Frau zu organisieren, der die Gemeinde viel zu verdanken hat. Auguste Henriette Hertling (1771 bis 1846) ist zwar weder in Plötzkau geboren noch gestorben. Sie hat allerdings der Plötzkauer Schule so viel Wertschätzung entgegen gebracht, dass sie dieser 1846 in ihrem Testament 4 000 Taler zugedacht hat. Zum Vergleich: Ein Maurergeselle zur damaligen Zeit hat bei 14 Stunden Arbeit von montags bis samstags einen Stundenlohn von elf Groschen bekommen. 24 Groschen machten damals einen Taler. Dies weiß der Großwirschlebener Harald Wieschke zu berichten.

Von 1848 bis Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Hertlingsfest in Plötzkau als öffentliches Fest gefeiert, bei dem die Kinder im Mittelpunkt standen. In der DDR stand das Fest nicht zur Debatte. Nach der Wende wurde es zu einer schulinternen Veranstaltung.

Die heute 76-jährige Regina Duxa vom Heimatverein erinnert sich noch an ein Hertlingsfest Anfang der 1940er Jahre, als sie eingeschult wurde. Damals gab es einen Umzug bis zum Bleichplan, Spiele wie Eierlaufen und einen Klettermast. Dort konnten die Kinder hochklettern, um sich kleinere Geschenke zu holen. "Müllers Inge ist als einziges Mädchen hochgekommen", erinnert sich Regina Duxa.

Den Ablaufplan für den kommenden Freitag stellen sich die Mitglieder des Heimatvereins ganz ähnlich vor. Die Heimatfreunde, zu denen Silvia Wojtaszek und Waltraud Schönemann gehören, haben schon alles vorbereitet. Die bereits 84-jährige Waltraud Schönemann hat dafür so etwas wie ein "Drehbuch" zusammen gestellt.

Beginnen soll die Veranstaltung um 10.30 Uhr auf dem Schulhof. Dort erwarten die Schüler die Ankunft einer Kutsche, aus der das "Fräulein Hertling" steigt, wie die unverheiratete Stifterin seinerzeit genannt wurde. Anschließend geht es mit einem Umzug wie früher zum Bleichplan. Dort ist ein Kulturprogramm für die Grundschüler geplant. Auch ein Maibaum mit langen Bändern wird aufgestellt.

Es werden alte Spiele wie Eierlaufen oder Sackhüpfen organisiert. Dabei ist auch der Hort unter seiner Leiterin Ilona Rückert und die große Kindergartengruppe.

Die wichtigsten historischen Angaben zu Henriette Hertling stammen von dem Heimatforscher Franz Stieler (1893 bis 1988), der selbst zwölf Jahre lang als Lehrer in Plötzkau gewirkt hat. Stieler hat zusammen getragen, dass Henriette Hertling in ihrem Testament auch andere Personen und Einrichtungen großzügig bedacht hat. Darunter ist auch die "Armen-Almosenanstalt Bernburg", die 3 000 Taler erhalten hat. Auch die reformierte Kirche in Leipzig oder das dortige Blindeninstitut wurden berücksichtigt.

Die Schule in Plötzkau hat übrigens aus dem Stiftungsvermögen in den 1930er Jahren zwei Ackerflächen gekauft. Die Jahrespacht pro Hektar beträgt 400 Euro. Die 3,27 großen Flächen erbringen rund 1 300 Euro pro Jahr.

"Wir hoffen, dass die Veranstaltung ein Erfolg wird" sagt Silvia Wojtaszek. Die ehemalige Bürgermeisterin von Alsleben ist sich dabei bewusst, dass die Neubelebung des Hertlingsfestes langsam wachsen muss.