Die Aussagen im Missbrauchsprozess vor dem Magdeburger Landgericht geben der Jugendschutzkammer weiterhin Rätsel auf. Die zum zweiten Verhandlungstag am Donnerstag geladenen Zeugen brachten im Prinzip nur wenig Licht ins Dunkel. Die Suche nach der Wahrheit bleibt auch deshalb schwierig, weil die Hoffnung auf eine Aussage des mutmaßlichen Opfers zerstoben ist.
Das siebenjährige Mädchen aus Staßfurt hatte am Mittwochnachmittag mit Psychologin Solveig Horn ein 45-minütiges Gespräch geführt, über das die Sachverständige am Donnerstag vor Gericht berichtete: "Ich habe ein offenes Kind erlebt, das sich gern mit mir unterhält, aber nicht zum Sachverhalt."
Das Kind schäme sich dafür, habe immer wieder abgeblockt. Es wisse was Sex ist, habe die Mutter in der Wohnstube dabei schon einmal mit einem Mann beobachtet. Im Verlaufe des Gespräch sei deutlich geworden, dass das Mädchen bei seiner Meinung bleibe, dass ihr Uropa Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt habe.
Angeklagt sind von der Staatsanwaltschaft drei dieser Straftaten, die der 63-jährige Urgroßvater jedoch rigoros bestreitet. Besonders schwierig scheint die Wertung der Angaben der Siebenjährigen, weil sie mental behindert ist. Das Mädchen unterzog sich nach Aussagen ihrer Mutter jüngst einer dreimonatigen Behandlung wegen ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms) in Bernburg und nehme Medikamente ein, schilderte Solveig Horn.
Ihre geistige Entwicklung soll nicht altersgerecht sein - vermutlich eine Folge ihres familiären Umfeldes. Von diesem zeichneten die Ehefrau des Angeklagten und eine frühere Nachbarin der Kindesmutter ein negatives Bild. Der ganze Bericht am Freitag im Bernburger Kurier der MZ.