Salzlandkreis: Vermisster 66-Jähriger ist wieder zu Hause

30.07.2012 20:13 Uhr | Aktualisiert 30.07.2012 20:39 Uhr
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Von Susanne Thon
Die Bundespolizei hat den tagelang vermissten 66-jährigen Hans-Joachim Denecke am Sonntagabend in seinem Geburtsort gefunden.
Hoym/MZ. 

Sie sind wieder vollzählig, die 24 Bewohner im Haus "Regenbogen". Der Platz am Tisch - das gemeinsame Essen ist ein wichtiges Ritual - nicht mehr leer. Nach dreieinhalb Tagen zwischen Hoffen und Bangen haben Mitarbeiter und Mitbewohner am Sonntagabend aufatmen können. Der am Donnerstag vermisst gemeldete Hans-Joachim Denecke wurde am Sonntagabend gegen 20.30 Uhr von der Bundespolizei am Bahnhof in Meitzendorf (Landkreis Börde) wohlbehalten aufgegriffen und wenig später nach Hause gebracht.

"Gott sei Dank", entfährt es Doris Kiwel. Der Geschäftsführerin der Schloss Hoym Stiftung steht die Erleichterung regelrecht ins Gesicht geschrieben. "Er hat sich offensichtlich ganz gut durchgeschlagen", sagt sie, "was aber genau passiert ist - wir werden es nicht erfahren." Denn der 66-Jährige lebt gewissermaßen in seiner eigenen Welt, einer Traumwelt. Was er von seinem Ausflug erzählt, entspreche seinem Wunschdenken. Von der Fahrt mit einer Harley-Davidson habe er gesprochen, und davon, seiner Familie geholfen zu haben, obwohl es keine Familie gibt. Vielleicht aber deshalb auch Meitzendorf. Denn dort, im heutigen Ortsteil der Einheitsgemeinde Barleben, ganz in der Nähe von Magdeburg, wurde Denecke geboren. Steve Brose, Gruppenleiter in der offenen Wohngruppe, denkt, dass er ganz gezielt dahingefahren ist, wenngleich "das Weglaufen sicher nicht so überlegt war".

Nichtsdestotrotz: "Ihm geht's sehr gut, er wollte nur sicherheitshalber zum Arzt, weil er seine Medikamente ja schon ein paar Tage nicht genommen hat", erklärt Brose. "Aber ein schlechtes Gewissen hat er." Er habe gesagt, dass es ihm leid tue, versprochen, nicht wieder abzuhauen und sich abzumelden, wenn er mal wieder wegfahren will. Nach Magdeburg zum Beispiel oder Quedlinburg, in Städte, die er liebt. Die Einsicht ist da. Und dabei belassen es die Stiftungsmitarbeiter auch, die froh sind, dass er zurück ist. Negative Impulse auszusenden wäre falsch, findet Brose, würde schlimmstenfalls sogar das Gegenteil bewirken.

Freude ob Deneckes Rückkehr herrscht auch bei seinen Mitbewohnern. "Die haben alle gemerkt, dass jemand fehlt, ständig gefragt, wo er ist und wann er wiederkommt", erzählt Brose. Regelrechter Ausnahmezustand habe im Schloss geherrscht: "Wer fit ist, hat gesucht. Ganz Hoym haben die Bewohner auf den Kopf gestellt. Bis in Nachterstedt waren sie." Nicht ahnend, dass Denecke ganze 80 Kilometer weit weg ist. Die Polizei fahndete tagelang unter Hochdruck nach dem Vermissten, klapperte Kontaktadressen und seine Lieblingsplätze ab, leitete eine Öffentlichkeitsfahndung ein. Zum Einsatz kamen auch Fährtenhunde und ein Hubschrauber.