Dass in Kleingartenanlagen Gemüse, Blumen und Kräuter sprießen, ist ganz normal. In der Sangerhäuser Kleingartenanlage "Freude" sprießen aber auch die Ideen. Denn so wie in anderen Gartenvereinen auch, hat man in der "Freude" mehr und mehr mit leerstehenden Gärten zu tun. "Unsere erste Idee war es, so wie es in anderen Vereinen auch gemacht wird, den Gartenfreunden eine zweite Parzelle zur Nutzung anzubieten", erzählt Vereinschef Mario Reichardt. Aus dieser Idee entstanden einige großzügige Gartengrundstücke. Gerade für Familien erwies sich diese Idee als ausgesprochen günstig. So haben die Kinder viel Platz zum Spielen, während sich die Großen bei der Gartenarbeit schaffen können. "Für den Verein ist das eine gute Lösung", sagt der Vereinschef.
Überhaupt nicht gut sind die Gärten, die zwar noch einen Besitzer haben, von diesem aber aus den unterschiedlichsten Gründen ungenutzt bleiben. Da haben die Gartenfreunde keine große Handhabe, sondern müssen vom Gartenzaun aus zusehen, wie aus dem schmucken Garten von einst nach und nach Wildnis. Leider. Denn normalerweise versuchen die Gartenfreunde jede Parzelle so in Schuss zu halten, dass Interessenten sich eingeladen fühlen.
Eine echte Einladung in den Gartenverein zu kommen, sprach Reichardt auch an all diejenigen aus, die einfach nur mal so Gartenluft schnuppern wollen. "Wir haben ein großes Vereinsheim, das wir gerne für Familienfeiern zur Verfügung stellen", lädt Reichardt ein. Sogar eine kleine Freilichtbühne gehört zum Vereinsheim dazu. "Die Akustik unserer überdachten Bühne ist schon viel gelobt worden", wirbt Reichardt.
Aber auch für Besucher will sich die Gartenanlage öffnen - für Kindergartengruppen etwa oder für Schulklassen. Immerhin gibt es einiges zu sehen. Dank Jürgen Kolbe, der eigentlich im Verein für die Organisation der Arbeitsstunden verantwortlich zeichnet, hat der Verein jetzt zum Beispiel ein Insektenhotel in einem der leer stehenden Gärten, die kurzerhand zur Ruhezone umfunktioniert wurden. Ein Foto diente dem Tüftler als Vorbild. Gartenfreunde gaben die Baumaterialien und nun wird jeden Tag nachgeschaut, ob das Insektenhotel auch Anklang bei der Zielgruppe findet. Immerhin - ein paar "Zimmer" sind schon bewohnt.
Das Prachtstück der Gartenanlage ist jedoch der Museumsgarten, der in den Parzellen 30 und 31 entstand. "Eines Tages stand Mario da und meinte, er habe eine alte Gartenlaube gefunden für unsern Museumsgarten", erinnerte sich Kolbe. Da habe man aber echt genau hinschauen müssen. Denn vor lauter Knöterich sah die Gartenlaube eher wie ein begrünter Hügel aus. Mittlerweile verströmt die Laube aber wieder Gründercharme. So wie vor 50, 60 Jahren die Gartenlauben ausgesehen haben, so sieht auch dieses Prunkstück wieder aus. Die Gartenfreunde steuern dies und das bei, um die Einrichtung genauso stilecht aussehen zu lassen. Das Gartenland um die Museumslaube wird als Schmetterlingsparadies und als lehrreicher Kräutergarten genutzt. 174 verschiedene Kräuter gedeihen dort und sind natürlich beschriftet, dass auch der Laie Beinwell, Majoran, Lavendel und Co. kennen lernen kann. "Der Museumsgarten ist gerade für meine Mutter das Paradies, hier versorgt sie sich mit Kräutern", erzählt Mario Reichardt, dessen Großvater übrigens damals schon bei der Aufteilung der Gartenanlage mit dabei war. Mittlerweile ist sein eigener Sohn schon lange Jahre Kleingärtner in der "Freude". Und so hofft Reichardt auch weiterhin, dass die kleine Gartenanlage am Rande der Stadt eine Zukunft hat.
Der Vereinsvorsitzende Mario Reichardt bietet dienstags und donnerstags von 17 Uhr bis 18 Uhr eine Sprechstunde an.Telefonisch ist der Vorstand unter 03464 / 90 61 85 oder 0176 / 64 14 50 32 zu erreichen. Per E-Mail: info@kleingartenvereinfreude.de