Die Steilkurve ist als solche schon zu erkennen. (FOTO: SUSANN SALZMANN)
Was haben Schaufel, Rüttelplatte und Bagger mit Radfahren zu tun?
Die Experten nennen das: Muskelaufbau der etwas anderen Art. Und die Experten trafen sich am Wochenende im Wohngebiet Othaler Weg an der Dirtbahn, um genau diesen Muskelaufbau zu betreiben. Bei diesen Experten handelt es sich aber keineswegs um ausgewachsene Männer, sondern allerhand Teenager. Mehr als zehn Kinder und Jugendliche scheuten sich nämlich am Wochenende nicht vor anstrengender Arbeit. Schließlich soll die bei BMX-Bikern beliebte Dirtbahn im Othaler Weg um einige Hügel und Höhepunkte wie eine s-förmige Steilkurve erweitert werden. "Je steiler, umso schneller. So eine Kurve bringt richtig Schwung und macht tierisch Spaß", motiviert Tim Schneider die jugendliche Truppe zum Weitermachen.
Mit kräftigen Schaufel-Schlägen versuchen die leidenschaftlichen Biker, die lockere Erde der späteren Steilkurve festzuklopfen. Eine harte Arbeit.
Da Schneider selbst seit 30 Jahren BMX-Rad fährt, setze er sich für die Herrichtung der Bahn wieder ein. Der abschreckende Zustand der Dirtbahn vor einem Jahr solle sich nie wieder einstellen. Das Gras, so zeigt Schneider an seinem Körper, ging ihm bis zum Bauch. "Von der Bahn hat man nichts mehr gesehen", erinnert er sich.
Die Bahn ermöglicht nun nicht nur hohe und weite Sprünge, sondern eignet sich auf für Anfänger und Experimentierfreudige. Diejenigen können auf kleineren, wellenartigen Hügeln das Fahren üben. Auf diese Weise, da sind sich die fleißigen Helfer sicher, wird die Bahn intensiver und verstärkt genutzt und kann nicht mehr zuwachsen. - "Der ist kaum zu schieben", schnauft Christopher Lau, der mit Philipp Krause die Rüttelplatte über die unterschiedlich steilen Hügel zieht. "Als das Gras meterhoch stand, kamen wir samstags mit dem Traktor her und haben alles platt gemacht", erinnert sich der 15-Jährige an die Vorarbeiten. Aus reiner Selbstverständlichkeit war er auch bei diesem Arbeitseinsatz - wie bei fast jedem - dabei. Der Sangerhäuser Fahrradfan schätzt den Teamgeist, mit dem alle an diesem Projekt arbeiten. Um so viele Leute wie möglich zu mobilisieren, hatte er selbst in sozialen Netzwerken auf den Arbeitseinsatz hingewiesen. Auch künftig soll der eine oder andere auf diesem Weg für die Idee begeistert werden. Schon nach wenigen Stunden rollen die ersten Bikes über die neuen Hügel.
Darunter ist auch Cedric Lang. Seit drei Monaten fährt der Zwölfjährige auf der Dirtbahn und übt die ganz großen Sprünge. Mit seinem Rad Sprünge zu absolvieren, die ihn und sein Bike kurzzeitig etwa einen Meter über dem Erdboden schweben lassen, ist für den Obersdorfer das Größte. Eben ein Adrenalinkick. Und weil er den mag, freut sich bereits, sich "bei der Steilkurve richtig in die Kurve zu legen".
Am liebsten, so erzählt Cedric, wäre ihm noch eine Holzschanze, von der aus der Biker in einem Schaumbecken landet. Und vielleicht, so hofft Robert Koch, wird irgendwann auch das bisher unbebaute Gelände um weitere Sprünge ergänzt. "Aber ich bin froh, dass wir hier unsere eigene Dirtbahn haben und dafür nicht woanders hinfahren müssen", setzt der 13-Jährige hinzu.