Sangerhausen: Pyramide mitten in der Stadt

31.05.2012 19:55 Uhr | Aktualisiert 31.05.2012 20:34 Uhr
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Eine Sonnenuhr

In welchem Allstedter Ortsteil steht diese Sonnenuhr? Wer weiß mehr dazu? (FOTO: PRIVAT)

Von Beate Lindner
Es wird Wilfried Keitz freuen, dass sich wieder sehr viele Leserinnen und Leser an der Auflösung des Fotorätsels beteiligt haben. Herr Keitz lebt jetzt in Sternberg in Mecklenburg-Vorpommern. Fast alle Teilnehmer lagen richtig. Einer, der es ganz genau weiß, ist Achim Duttke aus Gonna.
Sangerhausen/MZ. 

Kein Wunder: Er hat nach eigenen Angaben in seiner gesamten Kindheit und Jugendzeit nur etwa 30 Meter schräg gegenüber gewohnt und diese Pyramide stets vor Augen gehabt. Er schreibt, ähnlich wie auch Falk Getschmann aus Roßla, Karin Tobihn aus Oberröblingen und Walter Strauch aus Sangerhausen: "Sie stand einst auf dem westlichen, ungepflasterten und mit Linden bepflanzten Teil des Marktes in Sangerhausen. Für uns war es damals, wenn auch unerlaubt und nicht gern gesehen, ein beliebtes Kletterobjekt. Seit 1951 war es nach vorheriger Umgestaltung Friedensmahnmal. Vorher war es ein Kriegerdenkmal mit einer bemerkenswerten Geschichte. Erbaut wurde die etwa 5,10 m hohe Pyramide nämlich im Jahre 1924 vor der Ruine der Burgkapelle 'Zum heiligen Kreuz' auf dem Gelände der verfallenen Unterburg auf dem Kyffhäuser als Mahnmal für im Ersten Weltkrieg gefallene zahlreiche Soldaten eines Infanterieregimentes. Gestalter soll der Bildhauser Hans Reichenbach aus Bad Frankenhausen gewesen sein. 1934 bis 1938 fanden umfangreiche Ausgrabungen und Sicherungsarbeiten der Ruine der Unterburg statt und dabei stand die Denkmalspyramide im Wege und wurde abgebaut. Man entschied schließlich, diese nach Sangerhausen zu bringen. Eingeweiht wurde sie dort am 1.November 1936. Die Inschriften auf dem Denkmal waren nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zeitgemäß und wurden entfernt beziehungsweise mit Putz verdeckt. Anfang 1951 schlug ein Sangerhäuser Bürger namens Kurt Müller in der Zeitung ,Freiheit‘ vor, die alten Inschriften gegen neue auszutauschen, was dann auch geschah. Um 1986 wurde dieses formschöne Denkmal kurzfristig und ohne jede Erklärung und Begründung abgerissen. "

Der Geschichtsfachmann Walter Strauch ergänzt: "Der Kyffhäuser mit seinen betrachtlichen Ausmaßen mit einer Länge von 15 Kilometern und einer Breite von sieben Kilometern war schon der richtige heroische Ort ob seiner glorreichen Historie. . . Das Bild wurde bei diesen Feierlichkeiten aufgenommen. Betrachtet man nun diesen Vorgang insgesamt aus humanistischer Sicht, so muss man einschätzen, dass die Gefallenen aller Kriege die höchste gesellschaftliche Wertschätzung der gesamten Bevölkerung verdient haben."

Falk Getschmann , der sich ebenfalls sehr ausführlich geäußert hat, schreibt noch: "Ab 1945 wurden die vorhandenen Inschriften entfernt und aus der imposanten Steinpyramide wurde ein Mahnmal für den Frieden. Dieses wurde dann etwa in den Jahren 1983 / 84 endgültig abgebrochen.Für den Inhalt der noch immer vorhandenen Kapseln der Grundsteinlegung interessierten sich unter anderem auch die Organe des Staatsapparates. Die behauenen Sandsteine fanden den einen oder anderen privaten Gebrauch." Karin Tobihn hat sich nicht nur mit dem Denkmal, sondern auch mit der Marktgeschichte befasst: "Der Markt ist eigentlich der Neue Markt. Vor dem 15. Jahrhundert war der sogenannte Alte Markt der eigentliche Marktplatz der Stadt. Von da an hatte die Unterstadt die Obere übertroffen. 1271 wurde er erstmals erwähnt. Der Markt mit seinem Rathaus, dem Gericht, der Jacobikirche ist ein repräsentativer und besuchenswerter Stadtkern. An den Längsseiten stehen Ackerbürger-und Patrizierhäuser. Manche von ihnen besitzen ein schön restauriertes Fachwerk. Jedes Haus hat hier seine jahrhundertalte Geschichte."

Das Denkmal richtig zugeordnet haben außerdem: Else Balla, H. Seidel, Michael Krüger, Toni Schierbaum, Nicol Bornkessel, M. Haase, Günter Burghardt, Christa Brötzmann, Rainald Klette, Nico Oklitz, Uta Probst, Diana Finke, Horst Kundlatsch, Hans-Joachim Kuhnt, Christa Schulze, Irmhild Gothe, Detlef Kuhn, Ronald Unger, Ottomar Hundt, B. Mendt, Ilse Krüger, Manfred Schröter, Jörg Preuß, Lutz Reinboth und Angela von Trebra . Gewonnen hat diese Woche Fritz Gebhardt aus Sangerhausen. Für ihn liegen 15 Euro bereit. Und nun geht es in die nächste Raterunde. Das Foto entstand in einem Allstedter Ortsteil - so viel sei verraten. Wir wollen wissen, in welchem und vielleicht kann dieser oder jener auch etwas mehr zu dieser Sonnenuhr schreiben. Einsendeschluss ist der 6. Juni.