Sangerhausen: Wölfe im Südharz?

17.06.2012 10:38 Uhr | Aktualisiert 17.06.2012 20:49 Uhr
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Wölfe

Gibt es auch im Harz bald wieder freilebende Wölfe? Das Wanderverhalten der Tiere würde das durchaus zulassen, sagen Experten. (FOTO: SRO/HNO)

Unter dem Motto „Der Wolf - ein Mythos kehrt zurück“ wurden in einer Sonderschau im Spengler-Museum viele Bilder und ein Film gezeigt, wie eine Museumssprecherin mitteilte.
Sangerhausen/mz/hno/sro. 

Aug' in Aug' mit einem Wolf - das kann man jetzt im Sangerhäuser Spengler-Museum erleben. Sibylle Lucas kam extra aus Wolfsberg, um etwas mehr über die Tierart zu erfahren, die wahrscheinlich Namenspate ihres Heimatortes war. Dass sie einem Wolf demnächst auch bei einem Spaziergang begegnen wird, ist aber unwahrscheinlich. Denn die Tiere sind scheu. Dass aber Wölfe im Harz oder gar Südharz wieder auftauchen könnten, ist möglich. Das belegt auch die neue Sonderausstellung "Der Wolf - ein Mythos kehrt zurück", die am Sonnabend eröffnet worden ist.

Darin erfahren die Besucher Erstaunliches über das Wanderverhalten der Raubtiere, die seit 2008 auch in Sachsen-Anhalt wieder heimisch sind und sich reproduzieren. Die Ausstellung basiert auf Fakten, die während der vierjährigen Wolfsrudel-Beobachtungen des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt gesammelt wurden. Die Bilder und der Film über ein Wolfsrudel in der Lausitzer Heide werden durch Tafeln des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) ergänzt, der auch für Wolfspatenschaften wirbt.

Knapp 30 Gäste wollten zur Ausstellungseröffnung mehr über die Wiederkehr des Wolfes erfahren, wozu Martin Trost vom Landesamt für Umweltschutz sprach. Am Rande ging es dabei auch um das Wolfsmanagement, also darum, wie man mit dem Raubtier in einer dicht besiedelten Kultur- und Naturlandschaft zusammen leben kann. Denn hin und wieder kommt es vor, dass die Wölfe nicht nur Reh-, Rot- und Schwarzwild, sondern auch Schafe reißen. "Seit 2008 gibt es im Norden und Osten Sachsen-Anhalts wieder Wölfe", so Trost. "Ihren Lebensraum haben die Großraubtiere auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow und in der Annaburger Heide im Landkreis Wittenberg." Wahrscheinlich sind sie aus Sachsen oder osteuropäischen Ländern wie Polen eingewandert. Dort haben sie offenbar genügend Lebensraum, um sich zu vermehren. Wird aber der Bestand an Jungtieren zu groß, führt sie der Weg in weitere Regionen. Da auch die in Sachsen-Anhalt ansässigen Rudel Jungtiere hervorgebracht haben, ist es durchaus möglich, dass abwandernde Junge neue Reviere erobern. "Man muss jederzeit mit dem Wolf rechnen", sagt Trost, schließt aber Begegnungen mit "normalen" Waldspaziergängern aus. "Die Tiere gehen dem Menschen normalerweise aus dem Weg." Die bisherigen Fotos stammen überwiegend von Infrarot- oder Überwachungskameras. Ansonsten ist Trost regelmäßig auf Fährtensuche und auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. "Eine spannende aber sehr aufwändige Arbeit."

Zurzeit ist im Museum auch ein Wolfspräparat zu sehen. "So klein habe ich ihn mir nicht vorgestellt", bemerkt der ehemalige Biologielehrer Manfred Schröter. "Man redet heute viel über die Wiederkehr der Wölfe, Deutschlands seltenstes Wildtier." Nicht umsonst steht der Wolf auf der Liste der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und genießt in den ostdeutschen Ländern seit der Wende auch jagdlichen Schutz. Katharina Bolle-Katt-höver vom Ingenieurbüro für Wald- und Landschaftsplanung in Braunschwende findet die Ausstellung "sehr informativ".

"Bisher gibt es im Südharz noch keine Hinweise, dass hier Wölfe vorkommen", sagt Armin Hoch vom Biosphärenreservat "Karstlandschaft Südharz". Er ist Rissgut-Beauftragter für Großraubwild in Sachsen-Anhalt, wozu Wölfe, Luchse und Bären gehören.