Schädling: Gefährliche Raupe

Uhr | Aktualisiert 25.04.2012 21:30 Uhr
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Raupe des Eichenprozessionsspinners

Die Raupe des Eichenprozessionsspinners: Gefährlich sind deren Haare, die zudem lange haltbar sind. Befallene Bereiche sollten gemieden, Raupen und Gespinste nicht berührt werden. (FOTO: ARCHIV)

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Die Raupe des Eichenprozessionsspinners wird bundesweit immer mehr zum Problem. Im Raum Bitterfeld tritt er derzeit vereinzelt auf, in Zerbst wird er massiv bekämpft.
Bitterfeld/MZ. 

Seit einigen Jahren sieht Helmut Behrendt in seinem Forstrevier Gespinste. Darin hängen an den Bäumen die Raupen des Eichenprozessionsspinners, der auch in Sachsen-Anhalt immer mehr zum Problem wird. Förster Behrendt vom Revier Dachsberg, mit Sitz im Schierauer Ortsteil Niesau, ist unter anderem im Raum Raguhn-Jeßnitz unterwegs und bemerkt das Insekt inzwischen häufiger als noch vor Jahren. Die Raupen schädigen nicht nur Bäume, sondern können beim Menschen heftige allergische Reaktionen auslösen.

"Früher hat das Tier in meinem Bereich überhaupt keine Rolle gespielt, das ist eher im Raum Dessau ein Problem. Mittlerweile sehe ich den Eichenprozessionsspinner vereinzelt auch hier. Da in unserer Region aber vorwiegend Kiefern stehen, ist das Vorkommen nicht flächendeckend." Das sieht in Zerbst schon anders aus: Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld sperrt seit Donnerstag bis zum 4. Mai in der Region Waldgebiete, in denen so genannte Fraßgesellschaften - darunter Eichenwickler, Kleiner sowie Großer Frostspanner und eben der Eichenprozessionsspinner - per Hubschrauber mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden sollen.

Die große chemische Keule sei für sein Revier nicht nötig, sagt Behrendt. Nur selten, wie neulich in Möst, werde er zu Hilfe gerufen, um Gespinste zu entfernen. Für die Raupen, die sich derzeit vereinzelt in den Bäumen seines Reviers eingenistet haben, gelte: "Wir müssen die Entwicklung abwarten, die Temperaturen sind ausschlaggebend." Denn der Eichenprozessionsspinner kann sich in einem trocken-warmen Frühjahr besonders gut entwickeln - dann nämlich, wenn der Baum seine Blätter austreibt, die Nahrungsgrundlage. "Ich hoffe, dass die Raupen verhungern", so Behrendt.

Insgesamt beobachtet er allerdings eine zunehmende Ausbreitung: "Die Tiere dringen über die Landkreisgrenze im Raum Dessau in den nördlichen Bereich von Anhalt-Bitterfeld ein. Und es gibt Flächenpotenzial in den Auenwäldern an der Mulde, dort stehen etwa 300 bis 400 Hektar Eichen."

Behrendt rät: Falls Gespinste auffallen, sollten Behörden wie Umwelt- oder Ordnungsämter und Forstbehörden im Landkreis oder der Revierförster verständigt werden. "Der Waldbesucher sieht sie meist nicht. Man erkennt stark befallene Bäume daran, dass kein Blatt mehr daran hängt, wie ein Baum im Winterzustand. Wem etwas Untypisches auffällt, sollte Gespinste auf keinen Fall anfassen oder selbst beseitigen, das ist gefährlich. Da müssen Fachleute ran." Der Eichenprozessionsspinner befällt vor allem große Alteichen, in Wäldern, Parks aber auch Alleen in Städten.

Jürgen Kristin vom Betreuungsforstamt Dessau führt die Ausbreitung auch auf den Klimawandel zurück. "Aber es gibt ebenso einen natürlichen Zyklus wie bei allen Insektenarten. Alle paar Jahre steigt das Vorkommen, fällt aber auch wieder." Massiv trete der Eichenprozessionsspinner nördlich der Elbe auf, "im Raum Bitterfeld ist die Situation nicht dramatisch."

Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat nun eine Karte ins Netz gestellt, auf der die Gebiete markiert sind, in denen die Insekten bekämpft werden müssen. Diese Übersicht der Befallsgebiete sei aus einem Monitoring der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen über mehrere Jahre und verschiedene Schädlinge entstanden, sagt Andreas Rößler, Leiter des Amtes für Naturschutz, Forsten und Abfallwirtschaft. "Der Raum Bitterfeld spielt derzeit keine Rolle. Es gibt einzeln befallene Bäume, aber da muss keine Bekämpfung aus der Luft erfolgen." Im Raum Zerbst dagegen sei höchste Eile geboten, "weil die bevorzugte Nahrung der Raupe das sprießende Blatt ist". Ob damit auch ein künftiges Ausbreiten verhindert werden kann, könne er nicht vorhersagen. "Aber wenn wir jetzt handeln, wird die momentane Population und die Gefahr eingedämmt, dass die Fraßgesellschaften überhand nehmen."

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