Schädlingsbekämpfung: Ein Spinner auf dem Vormarsch

26.04.2012 20:31 Uhr | Aktualisiert 29.04.2012 20:30 Uhr
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Schädlinge

Gefräßig: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners werden für die Forstwirte zur Plage. Der Schädling befällt großflächig Eichenwälder und frisst sie kahl. (ARCHIVFOTO: DPA)

Von Alexander Schierholz
Schädlinge, die derzeit in Scharen die Wälder heimsuchen und die Bäume kahlfressen, treiben den Forstwirten die Sorgenfalten ins Gesicht. Deshalb greift das Land nun zur chemischen - und biologischen - Keule: Auf rund 3.500 Hektar Waldfläche werden in den kommenden Tagen von Helikoptern aus Pflanzenschutzmittel versprüht.
Zerbst/Magdeburg/MZ. 

Sie sind klein und unscheinbar. Sie haben putzige Namen: "Frostspanner", "Eichenwickler" oder "Eichenprozessionsspinner". Den Forstwirten treiben sie die Sorgenfalten ins Gesicht: Schädlinge, die derzeit in Scharen die Wälder heimsuchen und die Bäume kahlfressen. "Wir beobachten sie vor allem in Eichenwäldern in großer Zahl", sagt Detlef Thiel, Sprecher in Sachsen-Anhalts Umweltministerium. Deshalb greift das Land nun zur chemischen - und biologischen - Keule: Auf rund 3 500 Hektar Waldfläche werden in den kommenden Tagen von Helikoptern aus Pflanzenschutzmittel versprüht.

Flächen sind abgesperrt

Besonders betroffen sind die Altmark, der Fläming und der Kreis Anhalt-Bitterfeld rund um Zerbst - allein dort sind wegen der Aktion bis zum 4. Mai rund 1 000 Hektar Wald gesperrt. Im benachbarten Jerichower Land sind kleinere Flächen betroffen, auch dort wird seit Donnerstag gesprüht. Thiel warnt: "Wenn wir nicht großflächig absterbende Eichenwälder riskieren wollen, müssen wir handeln." Während der Aktionen und zwei Tage danach dürfen die jeweiligen Gebiete nicht betreten werden. So soll vermieden werden, dass Menschen mit den Schädlingsbekämpfungsmitteln in Berührung kommen.

Vor allem der Eichenprozessionsspinner macht den Fachleuten Sorgen. Dieser Tage schlüpfen die Raupen des Schmetterlings und machen sich in den Wäldern breit. "Die Befallsgebiete nehmen seit 2007 zu", sagt Nadine Bräsicke vom Julius-Kühn-Institut. Die staatlichen Pflanzenforscher aus Quedlinburg und Braunschweig verfolgen intensiv die Entwicklung und Verbreitung des Schädlings, der es trocken und warm liebt. Der, sagt Bräsicke, besiedele neben Eichenwäldern verstärkt auch Parks oder Siedlungen. Motto: Hauptsache, es gibt etwas zu fressen. In Sachsen-Anhalt findet der Eichenprozessionsspinner vor allem im Norden reichlich Nahrung, wie eine Karte des Instituts zeigt.

Gefährliche Haare

Das Problem: Nicht nur Eichen können die Raupen des Falters gefährlich werden: Ihnen wachsen so genannte Brennhaare, die bei Menschen allergische Reaktionen wie etwa Hautreizungen hervorrufen können. Und das über eine lange Zeit: Die Gespinstnester der Raupen - und mit ihnen die giftigen Haare - bleiben nach Angaben der Pflanzenforscher auch dann noch an Ästen oder Baumstämmen erhalten, wenn die Falter Ende Juli geschlüpft sind. Das Institut rät Spaziergängern deshalb zur Vorsicht. "Wer empfindlich ist, sollte befallene Waldgebiete meiden", sagt auch Detlef Thiel vom Umweltministerium.

Nicht alle sind glücklich über den Gift-Einsatz: Der Naturschutzbund Nabu etwa befürchtet, die Insektizide beeinträchtigten auch Fledermäuse und Vögel - bis hin zu besonders geschützten Arten wie dem Schwarzstorch, dem Adler oder dem Roten Milan. Thiel hält dagegen: Würden die Wälder kahlgefressen, könnten auch diese Tiere nicht mehr existieren. Im übrigen würden in Naturschutzgebieten - knapp 1 700 Hektar der betroffenen Fläche - nur biologische Schädlingsmittel ausgebracht.