Sportholzfäller: Die mit der Axt kämpfen

20.07.2012 18:41 Uhr | Aktualisiert 20.07.2012 19:24 Uhr
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Dirk Braun am Baumstamm

Echter Kerl: Der amtierende Deutsche Meister Dirk Braun am Baumstamm. (FOTO: VERANSTALTER)

Früher haben sich Waldarbeiter in Kanada gezeigt, wer der Bessere im Baumfällen ist. Am nächsten Sonnabend, 28. Juli, ist es in anderer Form in Bitterfeld soweit: Deutschlands beste Sportholzfäller messen sich bei den Meisterschaften der Stihl Timbersport Series.
Bitterfeld/MZ. 

MZ-Redakteurin Lisa Garn sprach mit Thomas Halsner vom Veranstalterteam über den Holzfäller an sich, Motorsägen mit 60 PS, das Kopf-an-Kopf-Rennen der großen Zwei und seine eigenen mühsamen Anfänge an der Axt.

Sportholzfäller, was sind das eigentlich für Leute?

Halsner: Ach, Leute wie Sie und ich. Der Sport steht jedem offen, der sich dafür interessiert. Auch die Statur ist nicht entscheidend.

Aber was sind das für Typen?

Halsner: Die meisten haben bereits vom Beruf her eine Affinität zu Holz, der Großteil kommt aus dem Forstbereich. Aber auch Zimmerer sind dabei oder Sportler mit technischen Berufen. Der US-Champion zum Beispiel ist Anwalt, der tagsüber Anzug trägt. Schon witzig und vor allem interessant, wen man in diesem Sport so trifft.

Warum finden diesmal die Meisterschaften in Bitterfeld statt?

Halsner: Wir richten sie an wechselnden Orten aus und für Bitterfeld sprach eindeutig die Kulisse: Man hat an der Goitzsche einen großartigen Ausblick, der Ort ist einfach schön. Die Beteiligten waren von Anfang an sehr euphorisch. Das wird eine packende Sport-Veranstaltung, bei der wir den Leuten etwas völlig Neues zeigen wollen. Zu den Wettkämpfen kommen bis zu 4 000 Besucher, einige Fans kommen von weit her.

Die Teilnehmer werden ja auch als Athleten bezeichnet. Aber ist Holzfällen eine Sportart?

Halsner: Das klingt sicher erstmal ungewöhnlich und Sportholzfällen ist natürlich kein alltäglicher Sport. Aber es steckt viel Arbeit dahinter. Die Athleten trainieren das ganze Jahr, sind in Fitnessstudios, in Trainingscamps und haben sich zu Hause Übungsplätze eingerichtet. Die zehn, die in Bitterfeld teilnehmen, mussten sich in Ausscheidungswettkämpfen dafür qualifizieren. Es ist insgesamt eine große Herausforderung.

Welche?

Halsner: Man muss punktgenau seine Leistung abrufen können. Einige arbeiten mehr über Kraft, andere mehr über Schnelligkeit. Es gibt ein Sprichwort: Kraft entscheidet, Präzision gewinnt. Dementsprechend braucht man hochpräzises Werkzeug und die richtige Technik.

Eine getunte Motorsäge mit 60 PS zum Beispiel...

Halsner: Ja, soviel Leistung wie ein Kleinwagen. Da steckt eine Menge Kraft dahinter, die es zu beherrschen gilt. Einige bauen auch Schneemobil-Motoren in die Sägen und treten mit Eigenkonstruktionen an.

Worauf kommt es denn im Wettkampf an?

Halsner: Insgesamt gibt es sechs Disziplinen, je drei mit Sägen und drei mit der Axt. Da wird zum Beispiel simuliert, einen Baumstamm zu zerteilen. Wild mit der Axt ins Holz zu schlagen funktioniert da nicht. Man muss mit einem Schlag möglichst viel Material herausarbeiten. Da geht es darum, den optimalen Schwung zu haben und genau zu treffen.

Also, aus Spaß macht man da nicht mit?

Halsner: Doch, aber es steckt natürlich auch große Ernsthaftigkeit dahinter. Die Leute wollen ja gewinnen. Die Wettkämpfe gibt es seit Jahrhunderten, das Ganze kommt unter anderem aus Kanada. Auch unsere Serie ist international etabliert. Seit 2001 gibt es sie in Deutschland, weltweit sind über 20 Nationen mit dabei.

Und wer wird der Star in Bitterfeld sein?

Halsner: Zu den Favoriten zählen sicher die beiden mehrfachen Titelträger Robert Ebner aus Bayern und Dirk Braun aus Nordrhein-Westfalen. Und sie sind absolut gegensätzlich: Der eine ist jünger, der andere älter, einer ist eher schlank, der andere kräftig.

Sind auch Vertreter aus der Region dabei?

Halsner: Es gibt einen Rookie Cup, bei dem sich der Nachwuchs misst. Unter den acht Teilnehmern ist auch Eric Segebarth aus Halle. Er hat neulich bei einem Wettkampf schon den dritten Platz belegt.

Und hatten Sie schon mal die Wettkampfsäge in der Hand?

Halsner: Ja, aber mit mäßigem Erfolg. Ich dachte noch, das geht ganz einfach, den Baumstamm zu zersägen. Aber da ging schnell gar nichts mehr. Mit ein bisschen Übung klappt es jetzt aber schon ganz gut.

Was können die Nicht-Sportholzfäller von der Veranstaltung erwarten?

Halsner: Erstmal eine außergewöhnliche Sportart mit spannenden Wettkämpfen. Zudem gibt es ein Rahmenprogramm, auch für Kinder. Zuschauer können sich im Sägen probieren und in der Fan-Zone alles über den Sport erfahren. Es gibt einen Hot Saw Simulator, mit dem man ausprobieren kann, ob man die 60-PS-Motorsäge starten könnte. Nach dem Wettkampf erwartet die Besucher dann das Lichterfest Goitzsche in Flammen.

Was geschieht eigentlich mit dem Holz?

Halsner: Es wird nichts weggeschmissen, sondern alles weiter verarbeitet. Wir denken natürlich auch an die Umwelt.

Wie gefährlich ist das Sportholzfällen für die Teilnehmer?

Halsner: Viele denken, es geht völlig wild zu. Aber die Sportler lernen die Disziplinen unter Trainer-Aufsicht und es gibt eine Schutzkleidung. Dazu gehören auch Kettenstrümpfe zum Schutz der Füße und Unterschenkel. Das ist so etwas ähnliches wie die Kettenhandschuhe vom Fleischer. Es gibt sehr wenige, die sich verletzen und wenn, dann eher beim Axt-Schärfen. Ein Sportler hat mal den sinnigen Spruch gesagt: Im Fußball kann ich umgegrätscht werden. Aber beim Sportholzfällen muss ich selbst einschätzen, wie weit ich gehen kann. Man hat es selbst in der Hand.

Und wie steht es um die Sicherheit der Zuschauer? Nah ran sollte man ja sicher nicht.

Halsner: Es wird einen ausreichenden Sicherheitsabstand geben. Aber von der Tribüne aus hat man einen sehr guten Blick und verpasst nichts.