Nicht nur "Anhalt 800" wird in diesem Jahr gefeiert, sondern am Wochenende auch das Stiftungsfest der Dessauer Freimaurerloge "Zu den drei Säulen". Denn die Loge blickt dann auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück, freut sich Uwe Dorand, Meister vom Stuhl der Loge. Nicht nur intern unter den Logenbrüdern wird das Fest gefeiert, "auch die Öffentlichkeit ist gerne gesehen", sagt Dorand zur MZ.
Besonderer Höhepunkt des Wochenendes wird der öffentliche Festakt am Sonnabend ab 15 Uhr im Bauhaus sein. Nach den Festansprachen von Dorand und Oberbürgermeister Klemens Koschig wird "Mein lieber Moses..." seine Premiere erleben. Geschrieben hat das Kammerspiel um fiktive Schachplaudereien zwischen dem in Dessau geborenen Weltweisen Moses Mendelssohn (1729-1786) und dem Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) der Publizist Jens Oberheide.
Oberheide, 1. Vorsitzender von Pegasus, des freimaurerischen Vereins für Kunst, Kultur und Kommunikation, hat sich aus 138 Zitaten aus Textstellen und Briefen von Mendelssohn und Lessing eine Plauderei beim Schachspiel ausgedacht. "Die beiden gleichaltrigen Protagonisten haben sich beim Schachspielen kennengelernt, haben sich oft zum Spiel und zum Gedankenaustausch getroffen und sind ein Leben lang befreundet gewesen", erzählt Oberheide.
"Natürlich ist nicht überliefert, was sie geplaudert haben. Aber so könnte es gewesen sein. Sie plaudern über die Kunst, das Glücksspiel, die Ungerechtigkeit, Gott und die Welt, über all die Alltage und Sonntage im Leben."
Die Idee für das Stück entstand im Mai 2010, als die Freimaurerloge "Zu den drei Säulen" Gastgeber für den Großlogentag der Freimaurer war, Vertreter von 267 Logen bundesweit nach Dessau kamen. Nun liegt das Stück gedruckt vor, wird es das Anhaltische Theater mit Intendant André Bücker auf die Bühne des Bauhauses bringen.
"Die Dessauer Theaterleute haben sich auch Musik dazu ausgedacht", freut sich Oberheide. "Die Musik übernimmt einige Gedankengänge von Moses und Mendelssohn sphärisch und regt das Publikum an, sie weiterzuspinnen." Der Schriftsteller ist sich sicher: "Das wird eine spannende Sache."
Kunst spielt bei der Festveranstaltung, zu der sich im übrigen auch die Lessinggesellschaft aus Hamburg angekündigt hat, eine zentrale Rolle, sagt Uwe Dorand. Denn durch den Künstler Cornelius Rinne wird eine Grafik zum Thema "800 Jahre Anhalt" präsentiert, und feierlich an Oberbürgermeister Klemens Koschig übergeben. Die besondere Grafik wird in limitierter Auflage herausgebracht und kann ebenfalls erworben werden.
Den Festakt im Bauhaus musikalisch begleiten wird der Pianist Franck Adrian Holzkamp. Er wird auch am Abend im Logenhaus in der Ferdinand-von-Schill-Straße zu erleben sein, wo ab 19 Uhr mit den Künstlern Gabriele Heidelberger und Thomas Bierling eine Jam-Session zu erleben sein wird.
"Das wird eine Mischung aus Chanson und Musical, bekannten Melodien, aber auch eigenen Texten", kündigt Jens Oberheide an, der den Abend moderieren wird. Interessenten sind hier gern willkommen, erklärt Uwe Dorand. Die könnten dann auch eine mit Werken von Julius Rinne und von Hans-Jürgen Zimmermann gestaltete Ausstellung betrachten.
Die geplante Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der Loge, kündigt Dorand an, wird von Oktober bis Dezember im Museum Zerbst zu sehen sein, denn das städtische Museum plant eine Ausstellung zu 230 Jahre Freimaurerei in Anhalt. "Zerbst", erklärt Dorand, "bildet in Anhalt die Wiege der Freimaurerei."
Jam-Session am Sonnabend im Logenhaus, Eintritt 15 Euro (inklusive Büfett). Anmeldungen bei Uwe Dorand, Tel. 0177 / 8945077