Wie der Landesfischereiverband der MZ mitteilte, hat der Fischer Ulrich Kulawik für seine Pachtgewässer Süßer See, Bindersee und Kernersee jetzt drei neue Personen bestellt. Grund: Der bisherige Fischereiaufseher aus Neu-Ulm musste nach massiven Vorwürfen im Juli seinen Hut nehmen. Der Landkreis hat ihn abberufen, nachdem die Staatsanwaltschaft in Halle gegen ihn Ermittlungen wegen des Verdachts der Erpressung aufgenommen hat.
Frank Gabriel, Vorsitzender des Verbandes für Angeln und Naturschutz am Süßen See und Umgebung, begrüßte die Entscheidung. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte er am Mittwoch der MZ. Er selbst hatte am vergangenen Freitag an einer Gesprächsrunde teilgenommen, die der Landesfischereiverband anberaumt hatte. Dabei ging es darum, den seit Monaten schwelenden Konflikt zwischen dem Berufsfischer Kulawik und den Anglern zu entschärfen.
Gabriel hat sich in der Runde bereiterklärt, als einer der drei neuen Fischereiaufseher aufgestellt zu werden. Nach seinen Angaben hat Kulawik bei diesem Treffen bestätigt, dass der frühere, umstrittene Fischereiaufseher und ein Privatdetektiv, der ihn immer begleitet hat, nicht mehr in seinem Auftrag handeln. Kulawik selbst war am Mittwoch nicht für die MZ zu erreichen.
Der Verband, dem Gabriel vorsteht, hat sich erst vor kurzem gegründet, auch als Reaktion auf die bisherigen Zustände bei den Kontrollen. Von Nötigung bis hin zu Handgreiflichkeiten lauteten die Vorwürfe von betroffenen Anglern gegenüber den Kontrolleuren. Dies haben Kulawik und sein Fischereiaufseher allerdings stets bestritten. Der Konflikt hatte sich durch die gegenseitigen Schuldzuweisungen soweit verschärft, dass sogar Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) als Vermittler auftrat und einen "runden Tisch" vorschlug.
Ein erstes Ergebnis dieser Gesprächsrunde ist die Bestellung der neuen Fischereiaufseher. Wie der Landkreis als untere Fischereibehörde auf Anfrage sagte, würden die vorgeschlagenen drei Leute in den nächsten Tagen die nötigen Ausweise erhalten und dann wieder regelmäßig auf Kontrollgang gehen. In diesem Zusammenhang wurden bereits mehrere Großkontrollen im Seegebiet angekündigt, bei denen auch Vollzugsbeamte des Landkreises und die Wasserschutzpolizei einbezogen sind.
"Damit soll wieder Ordnung und Gesetz am Wasser hergestellt werden", so Birgit Käsebier, die Fischereiberaterin des Landes. Angler, die sich an die Vorschriften halten, hätten nichts zu befürchten. Alle anderen würden entsprechend des Fischereigesetzes des Landes zur Rechenschaft gezogen, sagte sie. Sie hofft, dass nun endlich Ruhe einkehrt am Süßen See. Dies wird wohl ein frommer Wunsch bleiben. Wie Gabriel der MZ sagte, seien mit der neuen Fischereiaufsicht noch lange nicht alle Probleme gelöst. Aus seiner Sicht sind die Angelkarten, die Kulawik vergibt, nach wie vor "überteuert". Und auch, was den Fischbesatz in den Seen angeht, gebe es noch Handlungsbedarf. Es seien zu wenig Raubfische im Süßen See zu finden, so Gabriel. Fischer Kulawik verweist dagegen auf eine Fangstatistik. Demzufolge hat beispielsweise ein Angler im Vorjahr 60 Hechte aus dem See geholt, ein anderer über 70 Aale. Solche Massen würden seine wirtschaftliche Existenz gefährden.