Sie mag klein sein, doch sagt das nichts über die wahre Größe der Puppenbühne des Anhaltischen Theaters Dessau. "Wir sind die kleinste Sparte im Haus", hatte unlängst auch Holger Kuhla, leitender Dramaturg Schauspiel und Puppentheater, fast bescheiden erklärt. Und im selben Atemzug vier statt drei neue Produktionen für die 218. Spielzeit angekündigt, "jede eine Uraufführung".
Doch liegen Größe und Stärke des Dessauer Puppentheaters weniger in der Quantität, sondern bei den Projekten, die angegangen werden und der Art ihrer künstlerischen Umsetzung. Erinnert sei etwa an "Dracula". Mit der Menschen-Schatten-Puppengeschichte, frei nach Bram Stoker und in der Regie von Astrid Griesbach, landete man noch gegen Ende der letzten Spielzeit einen großen Erfolg.
Mit den "Bremer Stadtmusikanten" (Regie Ulrike Müller) sowie "Königin und König Drosselbart" von Ronald Mernitz präsentiert das Puppentheater nun zwei Märchen. Im Papiertheater "Augustes Sommer" von Uta Krieg gehen sie der Frage nach, wie die kleine Gans, die typischerweise zu Weihnachten sehr gefragt ist, eigentlich ihren Sommer verbringt. Das ist natürlich existenziell, wenn man bedenkt, dass so ein schöner Vogel oft als Braten endet.
Den richtig großen Fragen des Lebens widmet man sich in dem Puppen-Schauspiel "Nichts - Was im Leben wichtig ist" nach dem Roman von Janne Teller. In Dänemark, wo er im Jahr 2000 unter dem Titel "Intet" ("Nichts") erschien, hatte er einen Skandal ausgelöst und soll zeitweise an Schulen sogar verboten gewesen sein. "Nichts" macht bekannt mit Pierre Anthon. Der erklärt seinen Mitschülern allen Ernstes, dass nichts überhaupt irgendetwas bedeutet. Er verlässt den Unterricht und steigt auf einen Baum.
Seine Klassenkameraden fühlen sich provoziert und reagieren mit einem "Gegenbeweis". Sie sammeln Dinge, die für sie wichtig sind, und türmen sie zu einem "Berg der Bedeutung". Jeder muss etwas geben, das ihm am Herzen liegt, und er darf den Nächsten und dessen Opfergabe bestimmen. Was harmlos mit Krempel und Liebgewordenem beginnt, steigert sich zu einem fordernden "Rachespiel"...
Als ein Puppenspiel erzählt, erlaube diese Geschichte einen "kritisch-ironischen Blick auf die heiligen Kühe unseres Daseins und was sie uns wirklich wert sind", kündigen sie im Heft zur neuen Spielzeit an. Regie führt Jochen Langner, kooperiert wird mit der Hochschule für Schauspiel "Ernst Busch" Berlin. Man darf gespannt sein.
Die 218. Spielzeit am Anhaltischen Theater trägt den Titel "Wer wir sind". Neben den Premieren im Puppentheater gibt es auch dort zahlreiche Wiederaufnahmen interessanter Produktionen.