Thüringen: 700 Demonstranten gegen 240 Neonazis

01.05.2012 18:40 Uhr
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Gegendemonstranten blockieren eine Kreuzung

Linke Gegendemonstranten blockieren während eines NPD-Aufmarsches in Weimar eine Kreuzung. (FOTO: DAPD)

Die Polizei hat am Maifeiertag eine Kundgebung Rechtsextremer in Weimar aufgelöst. Nach Angaben der Stadt waren 240 Neonazis aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen angereist.
Weimar/dpa. 

Die Polizei hat am Maifeiertag eine Kundgebung Rechtsextremer in Weimar aufgelöst. Die Beamten setzten damit ein kurzfristig erlassenes Verbot der Kundgebung durch die Stadt durch, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Die Rechtsextremen hätten die geforderte Zahl von Ordnern für die nur unter Auflagen zugelassene Kundgebung nicht vorweisen können. Zu dem Treffen in der Nähe des Weimarer Hauptbahnhofes waren nach Angaben der Stadt 240 Neonazis aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen angereist.

Ein Teil von ihnen versammelte sich nach der Abreise aus Weimar zu einer Spontandemonstration am Erfurter Hauptbahnhof. Gegen die Kundgebung hatten das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus, Parteien, Gewerkschaften und Vereine bereits seit den Morgenstunden mobil gemacht. An den 16 Gegenveranstaltungen beteiligten sich laut Polizei insgesamt rund 700 Menschen.

Die Veranstaltungen seien überwiegend friedlich verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um beide Lager auf Distanz zu halten. Eine Sitzblockade von 25 Gegendemonstranten in der Nähe des Kundgebungsortes wurde von der Polizei aufgelöst, die Beamten trugen einen Teil der Blockierer weg.

Ein Polizeifahrzeug wurde den Angaben zufolge angezündet. Ob von Rechtsextremen oder Gegendemonstranten, stand am Abend noch nicht fest. Gegen einen Gegendemonstranten wird ermittelt, weil er einen Polizisten geohrfeigt haben soll. Außerdem laufen Anzeigen gegen Rechtsextreme wegen des Mitführens einer Softairwaffe sowie wegen eines Hitlergrußes.

Die Neonazis hatten zunächst durch Weimar laufen wollen, was die Stadt bereits im Vorfeld verboten hatte. Sie genehmigte nur eine sogenannte Standkundgebung in Bahnhofsnähe. Einen Eilantrag der Rechtsextremen gegen diese Entscheidung hatte das Verwaltungsgericht Weimar abgelehnt und seine Entscheidung damit begründet, dass die Mehrzahl der vom Antragsteller benannten Ordner einschlägig vorbestraft und deshalb ungeeignet sei.

Unklar ist, ob auch der Brand eines Kabelkanals an der Bahnstrecke Erfurt-Weimar am Dienstag mit dem Neonazi-Aufmarsch zusammenhängt. Die Bahn AG sprach von Vandalismus. Unbekannte hätten den Kabelschacht in Brand gesteckt und damit die Signaltechnik auf dem Streckenabschnitt getroffen. Die Strecke war seit 3 Uhr gesperrt, der Schaden erst am Mittag beseitigt.

Die Fernzüge mussten nach Angaben der Deutschen Bahn über Sangerhausen umgeleitet werden, was Verspätungen von bis 45 Minuten zur Folge hatte. Im Regionalverkehr waren die Verbindungen Richtung Halle, Eisenach, Göttingen, Glauchau/Altenburg, Gera sowie Kranichfeld betroffen. Hier richtete die Bahn einen „Notverkehr“ mit Bussen ein, es kam ebenfalls zu Verspätungen.

Laut Bundespolizei ist ein Zusammenhang mit der Neonazi-Kundgebung nicht auszuschließen. Ähnliche Vorfälle hatte es in Thüringen in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Demonstrationen der Rechten gegeben.