Tourismus: Sehnsucht nach St. Moritz

18.04.2012 19:15 Uhr | Aktualisiert 18.04.2012 19:19 Uhr
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Schierkes neue Mitte

Schierkes neue Mitte (ENTWURF: ARCHITEKTURBÜRO WOLF EISENTRAUT/QUELLE: STADT WERNIGERODE)

Von Alexander Schierholz
700 Einwohner, 1 600 Gästebetten: Schierke am Brocken ist schon jetzt eines der bedeutendsten Urlaubsziele im Harz. Geht es nach dem Land und der Stadt Wernigerode, zu welcher der Ort gehört, soll nun alles noch größer, schöner und bedeutender werden.
Schierke/MZ. 

700 Einwohner, 1 600 Gästebetten: Schierke am Brocken ist schon jetzt eines der bedeutendsten Urlaubsziele im Harz. Geht es nach dem Land und der Stadt Wernigerode, zu welcher der Ort gehört, soll nun alles noch größer, schöner und bedeutender werden - mit neuen Hotels und einem Kurhaus, mit einem sanierten Eisstadion und einem alpinen Skigebiet, mit einer Fußgängerzone und zusätzlichen Parkplätzen für Tagesgäste: Für rund 40 Millionen Euro soll Schierke bis 2015 / 2016 touristisch aufgewertet werden. Am Mittwoch ist mit den Bauarbeiten begonnen worden, im vergleichsweise kleinen Rahmen: Zunächst werden für knapp acht Millionen Euro drei Brücken und eine Straße ausgebaut.

Zwei Skigebiete nebeneinander

Schierke ist nicht allein: Zehn Kilometer weiter westlich, jenseits des ehemaligen eisernen Vorhangs, steckt die niedersächsische Stadt Braunlage bis 2015 zehn Millionen Euro in ein neues Skigebiet. Sehr zum Ärger von Naturschutzverbänden. Der Konkurrenzkampf um die Gäste - er geht weiter. Doch vor Ort stellt man lieber das Gemeinsame heraus: "Wir sind mit Braunlage dabei, eine Verbindung zwischen beiden Skigebieten zu schaffen", sagt Andreas Meling von der Wernigeröder Stadtverwaltung. So seien verbindende Liftanlagen beziehungsweise eine Seilbahn zwischen den Pisten in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen geplant. "Ernsthafte Gespräche" mit privaten Investoren liefen bereits. Meling ist sich sicher: "In ein paar Jahren werden die Touristen nicht mehr merken, ob sie gerade in Schierke oder in Braunlage Ski fahren." Sollte es tatsächlich so weit kommen, wäre damit ein Projekt umgesetzt, das bisher über den bloßen Ankündigungsstatus nicht hinausgekommen ist - zum Leidwesen vieler Besucher.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts galt Schierke als "St. Moritz des Nordens", so exklusiv war der Ort seinerzeit. Heute ist er für viele Besucher lediglich Durchgangsstation auf dem Weg zum Brocken. Wenigstens einen Teil von ihnen künftig zum Bleiben - heißt: zum Übernachten - in Schierke zu bewegen, das ist das Ziel, das sich die Stadt und das Land mit dem ehrgeizigen "Ortsentwicklungskonzept" für Schierke auf die Fahnen geschrieben haben. Es sieht unter anderem die Ansiedlung hochwertiger Hotels und die Verdoppelung der Übernachtungszahlen auf jährlich 500 000 vor. Sachsen-Anhalt, freut sich Meling, stufe das Projekt samt Skigebiet sogar als "Schwerpunktfördervorhaben von herausgehobener Landesbedeutung" ein.

Spaziergang an Durchgangsstraße

In den kommenden Jahren sollen in Schierke jeweils ebenfalls rund acht Millionen Euro investiert werden. Als nächstes sollen damit unter anderem das Eisstadion saniert und eine Fußgängerzone eingerichtet werden. Dringend nötig, denn Flanieren durch den Ort, das bedeutet derzeit Spazieren entlang einer Durchgangsstraße.

Ein Problem allerdings wird auch nach der Verwandlung Schierkes zum Vorzeige-Urlaubsort bleiben: Die Winter sind immer weniger schneesicher.