In Aschersleben wurde eine Neo-Rauch-Stiftung gegründet. (ARCHIVFOTO: DPA)
In Sachsen-Anhalt wächst der Bürgersinn: Seit 1990 sind fast 270 Stiftungen öffentlichen und privaten Rechts neu entstanden oder wiederbelebt worden. Zum Vergleich: Zum Ende der DDR existierten noch 90 Stiftungen - vor allem kirchliche - auf dem Gebiet Sachsen-Anhalt; hingegen waren es um 1900 noch weit mehr als 1 000. Wirtschaftskrisen und Inflation sowie die systematischen Zwangsauflösungen in der DDR ab 1952 hatten zu dem dramatischen Rückgang geführt.
"Die Idee des Stifterwesens war hierzulande nahezu abhandengekommen", sagt Lutz Miehe, im Innenministerium für Stiftungsfragen zuständig. Inzwischen sei aber ein erfreulicher Wandel spürbar. Der Sinn von Stiftungen ist in der Regel die Förderung des Gemeinwohls: Sie können sozialen oder wissenschaftlichen Zwecken dienen, aber auch Bildung, Kunst oder Kultur fördern.
Infolge der sich verschlechternden Lage der kommunalen Haushalte gewinnt eine Stiftungsart zunehmend an Bedeutung - die Bürgerstiftung. Derzeit existieren vier - unter anderem in Halle und Quedlinburg. Bürgerstiftungen übernehmen die Finanzierung von Aufgaben, zu denen die Kommunen oft nicht mehr in der Lage sind. Eine lange Tradition haben Stiftungen im sozialen Bereich. Die älteste in Sachsen-Anhalt ansässige Stiftung, die Stiftung St.-Katharinen-Hospital Derenburg (Harz), wurde vermutlich im Jahre 1151 durch die Regensteiner Grafen errichtet.
Kommenden Freitag, zum 4. Stiftertag des Landes, werden in den Reigen zwei weitere Stiftungen aufgenommen: Die Neo-Rauch-Stiftung in Aschersleben als Neugründung und die Wiederbelebung der von Wacker'sche Stiftung in Hoym (Salzlandkreis), die auf ein Testament aus dem Jahre 1806 zurückgeht. "Mit dem Stiftertag wollen wir für das Stiftungswesen werben, die Stiftungen vernetzen und beraten", sagte Miehe.
Laut Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) kann deren Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden. "Stiftungen haben für die Gesellschaft eine überragende und wohltuende Rolle." Während früher Fürsten die Mäzene waren, seien es heute in der Demokratie die Stiftungen.
Das Interesse am Stiftertag ist beachtlich: 200 Vertreter von 90 Stiftungen haben sich bereits angemeldet. "Da es sich in der Regel um Ehrenamtliche handelt, die die Stiftungen betreuen, sind Schulungen ganz wichtig, da gibt es noch Reserven", sagte Miehe. Denn im Gegensatz zu einem Verein ist eine Stiftung in der Regel für die Ewigkeit angelegt. Entsprechend langwierig ist das Prüfverfahren, bevor das Land eine Stiftung anerkennt. Und billig ist es auch nicht: "50 000 Euro als Grundstock sollten es mindestens sein", sagt Stiftungsexperte Miehe. Denn Gutes tut die Stiftung nur mit den Zinsen, die das Stiftungskapital abwirft.