"Vorher war dort nur ein ganz schmaler Gang zur Uhr", sagt der Pfarrer. "Wir haben den Gang verbreitert und die ganze Fläche noch mit Dielen vergrößert. So ist ein uriger kleiner Raum entstanden." Grohmann hat Licht installiert, Hocker hingestellt und ein paar Ablagen eingebaut. Hinauf geht es über eine neue Stiege mit einem Handlauf - bislang stand hier nur eine Leiter.
Was die Holzarbeiten betrifft, hat sich vor allem Karl-Heinz Kamionka verdient gemacht; der Unterrißdorfer ist von Beruf Zimmermann und packt immer mal in der Kirche mit an. Nachbar Thomas Kämpe hat ein Fenster repariert, das schon seit langem marode war. Durch das Fenster kann man aus der Uhrenstube nach Norden in Richtung Volkstedter Halde gucken. Außerdem - und das ist natürlich der Clou - ist das Uhrwerk nun mit einer Glasscheibe versehen, so dass Besucher dem Lauf der Zeit zusehen können. Der mittlerweile verstorbene Bodo Menzel hatte die Turmuhr 1969 repariert und aufgearbeitet und sich seitdem jahrzehntelang um das Uhrwerk gekümmert. Einmal in der Woche muss die Uhr aufgezogen werden, was seit einigen Jahren Olaf Sendel, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, erledigt. "Wir sind jetzt aber dabei, einen automatischen Aufzug einbauen zu lassen", so Grohmann.
In der Uhrenstube hat man durch eine Öffnung im Fußboden auch einen Blick auf die beiden Glocken - die ebenfalls eine bewegte Geschichte haben. Die große Glocke, die jeden Abend geläutet wird, ist 1920 als Ersatz für eine Bronzeglocke gegossen worden, die im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden war. Eine weitere Bronzeglocke fiel dann dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer - ersatzlos. Die kleine Glocke, die nur mit einem Hammer zum Klingen gebracht werden kann, hing ursprünglich im Dachfirst. Als dieser 1970 abgerissen werden musste, wurde die Glocke mit einer selbstgebauten Seilzugkonstruktion außen abgelassen und im Glockenstuhl an einer alten Waagenachse aufgehängt - wo sie heute noch hängt.