Inkasso-Unternehmen treiben auch für Kommunen Geld ein. (FOTO: ARCHIV)
Einfach auflegen - eine Zeit lang hat dieser Rat von Verbraucherschützern geholfen, um ungebetene Anrufer abzuwimmeln, die am Telefon irgendetwas aufschwatzen wollen. Aber das funktioniert nicht mehr. „Die Maschen der Abzocker sind raffinierter geworden“, sagt die Juristin Gabriele Emmrich von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt (VZSA). Das Ergebnis seien massenhaft ungewollte Verträge, die auf Lug und Trug basierten. Sie trieben zunehmend mehr Verbraucher zur Verzweiflung und in die Beratungsstellen. Insgesamt 410 000 Mal ist im Jahr 2011 Rat gesucht worden, etwa 20 000 Mal mehr als ein Jahr zuvor. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der VZSA hervor.
Am häufigsten war die Rechtsberatung gefragt: Was tun mit untergeschobenen Verträgen, Drohbriefen, Mahnbescheiden, mit horrenden Telefonrechnungen oder unbestellter Ware, die häufig Folgen dreister Gespräche am Telefon oder an der Haustür sind?
Emmrich verweist auf immer „perfider werdende Legenden“, mit denen arglose Verbraucher umgarnt werden. „Viele Geschäftemacher missbrauchen den guten Ruf seriöser Unternehmen“, sagt die Verbraucherschützerin. Die Angerufenen würden stutzig und legten den Hörer nicht auf, wenn sich eine Telefonstimme als Verbraucherzentrale meldet, als Kriminalpolizei, Rechtsanwalt oder Notar. Erst viel zu spät werde die Falle bemerkt. Die Abzocker kassieren für einen vermeintlichen Gewinn Gebühren, wickeln dubiose Inkassogeschäfte ab, drängen zu Vertragsabschlüssen und zur Herausgabe von Bankverbindungen. Dabei, so Emmrich, bedienten sich Betrüger auch der immer größer werdenden technischen Möglichkeiten: Während der Geschäftemacher im Ausland sitzt, erscheint auf dem Display des arglosen Verbrauchers eine manipulierte Rufnummer.
„Da ist unsere Hilfe als Problemlöser und Dienstleister gefragt“, sagt Volkmar Hahn, der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale. Zwar nutzten immer mehr Verbraucher die Auskünfte im Internet oder am Telefon, „aber unsere gut erreichbaren Beratungsstellen an 14 Orten im Land bleiben wichtig“, sagt Hahn. Etwa 40 Fachleute bieten dort Hilfe an. Zu den größten Ärgernissen der Verbraucher gehört dem Jahresbericht zufolge auch die Sorge um steigende Energiekosten, um Erspartes und Gesundheitskosten sowie um irreführende Werbung bei Lebensmitteln. „Angeblich so gute sogenannte Kindermilch ist nicht besser als Kuhmilch, aber viermal so teuer“, nennt die zuständige Referatsleiterin Christa Bergmann ein Beispiel.