Nicht viel los und ein bisschen eng, sieht aber ansonsten fast aus wie eine ausgewachsene Autobahn: Das Land will die Nordharzautobahn B 6n aufwerten lassen. (FOTO: GEHRMANN)
Die Landesregierung fordert eine sechste Autobahn für Sachsen-Anhalt, aber keinen Neubau: Die im Volksmund "Nordharzautobahn" genannte Bundesstraße 6n soll aufgewertet werden. Wie stehen die Chancen, was soll das bringen? Die MZ beantwortet die wichtigsten Fragen.
Was ist der Unterschied zwischen der B 6n und einer Autobahn?
Auf den ersten Blick besteht der Unterschied in gelben statt blauen Schildern. Die vierspurige B 6n gilt als "autobahnähnliche Straße" und ist zwischen Autobahn und Bundesstraße eingestuft. Dort gibt es auch wie auf einer Autobahn über weite Strecken kein Tempolimit. Der entscheidende Unterschied ist die Breite, darauf stützt sich auch die Absage aus dem Bundes-Verkehrsministerium: Die B 6n kommt mit Fahrbahnen, Mittelstreifen und Banketten auf maximal 26 Meter. Autobahnen müssen wenigstens 29 Meter breit sein - mit einer richtigen Standspur. Außerdem müssen Gebäude 40 Meter von einer Autobahn entfernt sein, von einer Bundesstraße aber nur 20 (Anbauverbot).
Wie realistisch ist eine Aufwertung?
Die Chancen stehen schlecht. Die B 6n sollte ursprünglich eine Autobahn werden, wie die A 38. Die Entscheidung für die Bundesstraße fiel aber unter anderem wegen der vorausgesagten vergleichsweise geringen Auslastung von 15 000 bis 36 000 Fahrzeugen am Tag und der Nähe zu weiteren Autobahnen - bei gleichzeitig höheren Kosten wegen der breiteren Fahrbahn.
Wer entscheidet über den Status der B 6n?
Der Bundestag. Das Parlament hatte 2004 die B 6n als Teil des Bedarfsplans für die Bundesfernstraßen beschlossen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) könnte sich, selbst wenn er wollte, nicht einfach darüber hinweg setzen. Es müssten also das Straßenbaugesetz geändert werden und die baurechtlichen Probleme - eben die zu geringe Breite - beseitigt werden, etwa mit einem neuen Ausbau. Selbst der CDU-Landtagsfraktionschef André Schröder spricht deshalb von "hohen Hürden".
Warum und wie will die Landesregierung die Aufwertung erreichen?
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hofft, Ramsauer im Gespräch zu überzeugen. Haseloff glaubt, dass sich durch die Umwidmung zur Autobahn neue Firmen im Salzland- und Harzkreis ansiedeln sowie mehr Touristen kommen. Nicht, weil man dann auf der Nordharzautobahn schneller fahren könnte: Sondern weil ein Autobahnanschluss an sich eine höhere Anziehungskraft für Unternehmen habe. Navigationssysteme würden auch automatisch für Bundesstraßen längere Fahrtzeiten angeben - und Touristen bei der Planung des Urlaubs abgeschreckt. Weil sie nicht wissen, dass man auch auf der B 6n schnell fahren kann.
Wurden schon Bundesstraßen aufgewertet?
Ja, zum Beispiel in Bremen. Da wurde 2001 ein zwölf Kilometer langer Abschnitt der B 74 zur A 270 umgewidmet. Weil aber wegen zu enger Bebauung (Anbauverbot) kein Standstreifen nachträglich angebaut werden konnte gilt nun auf weiten Strecken der neuen Autobahn ein Tempolimit von 80.
Unterstützt die Landespolitik den Vorstoß?
Die Koalitionsfraktionen stellen sich hinter den Regierungschef. Trotz seiner massiven Bedenken hofft etwa CDU-Fraktionschef Schröder, dass Haseloffs Vorstoß "der Debatte jetzt vielleicht neuen Schwung" verleiht. Der SPD-Verkehrsexperte Holger Hövelmann ist eingeschränkt begeistert: "Wenn dass ohne weitere Baumaßnahmen gehen würde, wäre das eine gute Sache für die Region." Die Opposition reagiert unaufgeregt milde. Christoph Erdmenger (Grüne): "Ich glaube nicht, dass dabei etwas herauskommt. Am Ende würde sich nur die Farbe der Schilder ändern."