Ein Bild, das jeder Sommerurlauber kennt: Stau soweit das Auge reicht. (FOTO: DPA)
Wer kennt das nicht? Der Termin eilt, die Blase drückt, und man steht hilflos in einer Schlange von Autos. Kein Rad dreht sich, dafür steigt der Blutdruck. 36 Stunden haben wir Deutschen 2011 im Schnitt im Stau vertrödelt, hat das US-Unternehmen Inrix berechnet. Viel Zeit für das eine oder andere Erlebnis und manch ärgerliche Panne. Prominente und Nichtprominente schildern ihre Stau-Highlights.
Roman Stein, Hotelbetriebswirt: Es war der 6. August 2011. Um 12 Uhr hatten wir den Termin zur Trauung im Wörlitzer Standesamt und eigentlich war genügend Zeit eingeplant. Dann kam auf der A 9 der Stau. Ohne Vorwarnung im Radio oder im Navi, also dachten wir, es kann nur ein kleiner sein. Nach fünf Minuten Stillstand steigt aber schon der Puls. Und nach zehn Minuten ist leichte Panik angesagt. Auf den Standstreifen haben wir uns erst nicht getraut - bis die Mutter meiner Braut Barbara auf die glorreiche Idee kam, dass sie den Brautstrauß aus dem Fenster nach oben halten soll. Am Ende sind wir 15 Kilometer mit Tempo 30 am Stau vorbeigefahren - haben dumme Gesichter gesehen, aber auch viele Leute, die applaudiert und Hupkonzerte für uns gegeben haben. 11.50 Uhr sind wir vorm Standesamt vorgefahren. Selbst der Brautstrauß hat überlebt.
Peter Ahlgrim, Vorstandsvorsitzender ÖSA: Mein schlimmster Stau ist erst ein paar Tage her. Da wollten wir nach vielen Jahren endlich mal wieder eine Pressekonferenz in Halle machen - und dann ist am Tag vorher die Brücke auf der A14 abgerutscht. Wir haben es trotz Autobahnsperrung probiert - um dann in Halle-Tornau unverrichteter Dinge wieder umzukehren, damit wir wenigstens die zweite Pressekonferenz des Tages in Magdeburg gerettet kriegen. Bis Tornau hatten wir schon zwei Stunden gebraucht, bis in die Innenstadt hätte es noch einmal anderthalb bis zwei gedauert! Das war uns schon extrem peinlich.
Tatjana Hüfner, Rodel-Olympiasiegerin: Ich habe 2011 vor einem Weltcup die Übergabe der Startnummern verpasst. Am Königssee ziehen sie das zu Neujahr richtig schön auf, mit Feuerwerk und allem drum und dran. Und wir standen auf dem Weg von Oberhof auf der A 8 hinter München im Stau. Am Ende war ich auch noch die einzige, die negativ aufgefallen ist - wie peinlich! Wir waren zu fünft im Bus und ich die einzige Frau. Pünktlich zur Übergabe bei den Männern waren wir dann da. Meine Startnummer habe ich übrigens trotzdem noch gekriegt, aber ich musste eben nach den Doppeln und den Herren ganz allein auf die Bühne.
Hermann Onko Aeikens, Umweltminister: Ich komme gerade von der Umweltministerkonferenz und habe den ersten Stau eben hinter mir. Wenn man Beifahrer ist, ist so etwas eher zu ertragen. Ein anderer Stau war aber richtig gespenstisch: Ich kam am 11. September 2011 gerade vom Landgestüt Prussendorf. Der Himmel war schwarz, der Verkehr auf der A 14 wurde immer dichter. Und plötzlich ging gar nichts mehr. Dann sahen wir die Autos und ich dachte nur: Mein Gott, die sehen ja aus wie mit dem Hammer bearbeitet. Ein Lkw-Fahrer neben mir erzählte, das sei noch gar nichts. Ich solle mal über die Dörfer fahren, da seien von dem Hagel überall Häuser abgedeckt und Autos zerstört. Nach zwei, drei Stunden wurden wir dann zurückgeleitet.
Bianca Graf, Schlagersängerin: Stau? Letzte Woche war es zum Haare raufen, quer durch den Osten von Braunsbedra nach Frankfurt an der Oder. Um bei der RBB-Sendung "Polnische Hochzeit" dabei sein zu können, vergaß ich alle guten Vorsätze und fuhr entgegen meinem Naturell hart am Limit, sogar in Baustellen - fünf Minuten vor der Angst war ich vor Ort und sang gerade mal so ins Bühnenkostüm gehievt meinen neuesten Hit.
Franziska Hildebrand, Biathletin: Wenn es in der Loipe nicht so läuft, kann ich das selbst beeinflussen. Anders und deshalb fürchterlich nervend ist das im Stau. Mein letztes Erlebnis dieser Art hatte ich erst vor wenigen Tagen, als ich vom Trainingslager in Österreich zu meinen Eltern nach Hause wollte. Um gut gelaunt nach Köthen zu kommen, brauchte ich stärkere Nerven als am Schießstand. Bei München drehte sich kein Rad mehr und das Dilemma wiederholte sich noch einige Mal. Unterm Strich kam ich nicht wie gedacht zum Mittagessen, sondern erst zum Kaffeetrinken an. Mein Lieblingsessen, Kassler und Sauerkraut, stand aber glücklicherweise noch in der Röhre.
Wolfgang Winkler, TV-Kommissar: Mir graust es vor jedem Stau, wenn ich zu einer Vorstellung fahre. Für einen Künstler gibt es nichts Schlimmeres, als einen Auftritt zu verpassen. Da muss ich immer an meinen Kollegen Schmidt-Schaller denken, der um pünktlich zu sein einmal privat einen Hubschrauber mietete - auf einem Flugplatz neben dem Stau, in dem er stand. Das Ticket war teuerer als die Gage, die er bekam. Um mir das zu ersparen, fahre ich meistens schon Stunden eher los, so auch am 29. Juni, wenn ich auf Usedom auftrete.
Dieter Gorzki, Chef der "frischli"-Molkerei Weißenfels: Die kürzeste Nacht das Jahres habe ich einem Stau auf der A2 zu verdanken. Über vier Stunden stand ich bei Braunschweig. Statt gemütlich im Hotelbett zu schlummern, saß ich hungrig und durstig inmitten einer endlosen Blech-Karawane nach einem schweren Unfall. Ohne Handy wäre ich wohl ganz trübsinnig geworden. So habe ich die Wartezeit überbrückt, indem ich der Reihe nach meine Verwandten und Freunde anrief. Sonst hat man ja selten die Zeit dazu, in aller Ruhe ein privates Gespräch zu führen.
Jurik Müller, Wetterkundler: Dauerstau im slowakisch-ungarischen Grenzland hinter Bratislava: Da half kein Navi und kein Mobiltelefon. Nach drei Stunden Warterei packten wir den Grill aus und brieten wie andere am Straßenrand die Steaks. In der Not entstand eine wahrlich internationale Wartegemeinschaft der Urlauber, die alle zum Plattensee unterwegs waren.