Versorgung: Salzland unter Strom

14.06.2012 19:31 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 20:04 Uhr
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Windanlagen

Der enviaM-Netzbetreiber Mitnetz Strom will in diesem Jahr fast fünf Millionen Euro im Landkreis investieren. (FOTO: MZ)

Von Kerstin Beier
4,9 Millionen Euro will der enviaM-Netzbetreiber Mitnetz Strom in diesem Jahr allein im Salzlandkreis investieren. Mit dieser Summe soll das Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetz in der Region modernisiert werden.
Aschersleben/MZ. 

"Besonderen Wert legen wir auf die Verkabelung des Mittelspannungsnetzes. Wenn Stromleitungen in die Erde kommen, macht das die Stromversorgung sicherer. Erdkabel haben gegenüber Freileitungen den Vorteil, dass sie weniger witterungsanfällig sind", erklärt Jens-Uwe Schäfer, Leiter der Netzregion Sachsen-Anhalt. Außerdem, so ergänzt er, tragen die Baumaßnahmen zu einem schöneren Stadt- und Landschaftsbild bei.

Die mit 773 000 Euro größte Maßnahme im Landkreis ist in Alsleben geplant. Hier wird die Freileitung von Alsleben über Gnölbzig nach Strenznaundorf durch ein Mittelspannungskabel ersetzt. Das bedeutet, dass fast fünf Kilometer Kabel in die Erde verlegt werden müssen. Zudem entsteht in Gnölbzig eine neue Trafostation.

Gebaut wird auch in Hoym. "Die Maßnahme ist etwas kleiner, aber nicht weniger wichtig", so Schäfer. Hier werden 670 Meter Freileitung ersetzt und 580 Meter störanfälliges, übertragungsschwaches Mittelspannungskabel durch ein leistungsfähigeres ausgetauscht. Auch im Bereich der Niederspannung wird einiges getan: Eine Freileitung wird verschwinden, dafür werden fast drei Kilometer Niederspannungskabel künftig in der Erde ihre Dienste leisten. 87 Hausanschlüsse müssen von Freileitung auf Kabel umgeklemmt werden. Das Ende der Baumaßnahmen ist für Oktober vorgesehen. 328 000 Euro wird das Unternehmen in dieses Vorhaben investieren.

"Wenn wir immer wieder irgendwo buddeln und das teilweise in Straßen, die erst vor wenigen Jahren neu gemacht wurden, dann sieht das für den Außenstehenden manchmal aus wie Schildbürgerei", räumt Schäfer ein. Doch der Vormarsch der erneuerbaren Energien, deren Anteil bundesweit bereits 20 Prozent ausmacht, stelle die Versorger vor große Aufgaben. Sachsen-Anhalt ist in Sachen erneuerbare Energie ganz vorn dabei. 2011 gab es allein im Salzlandkreis 195 Windanlagen und 270 Solarenergieanlagen. Das reicht von der kleinen Anlage auf dem Dach des Einfamilienhauses bis zum Solarpark. Zur Verdeutlichung: Diese 270 Anlagen können 1 140 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen. Der Anteil erneuerbarer Energien am Endverbraucherabsatz lag 2011 in Sachsen-Anhalt bei 76 Prozent. Schon heute sei das Angebot weit größer als die Nachfrage. Das mache sich bemerkbar an Tagen mit geringem Verbrauch. "Die Herausforderung besteht nun darin, die Netze so auszubauen, dass der Strom dorthin kommt, wo er hin soll", erklärt Schäfer. Von den 344 Millionen Euro, die der Netzbetreiber Mitnetz Strom in diesem Jahr für Investitionen im gesamten Netzgebiet (Teile von Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) bereitstellt, dienen allein 100 Millionen dem Ausbau der erneuerbaren Energien.

Ein Beispiel dafür ist ein Vorhaben in Giersleben. Wegen steigender Stromeinspeisung aus Solarenergie muss dort in der Hecklinger Straße eine neue Trafostation gebaut werden. Damit verbunden ist die Neuverlegung von 180 Metern Niederspannungskabel und 40 Metern Mittelspannungskabel, um die Trafostation einzubinden. Dafür sind Kosten in Höhe von

55 000 Euro veranschlagt. Wird der Stromanfall aus erneuerbarer Energie zu hoch, verpflichte das zum Netzausbau - oft nicht gerade zur Freude der Kommunen, weiß Schäfer. Aber: "Wenn es ans Bauen geht, vergeben wir unsere Aufträge überwiegend an Bau- und Montagefirmen aus der Region", sagt Schäfer und nennt Hoym als aktuelles Beispiel. Hier ist eine Firma aus Thale am Werk. "Wir wollen so einen Beitrag leisten, heimische Unternehmen zu unterstützen. Besonders kleine und mittlere Betriebe", sagte Pressesprecher Stefan Buscher.