Frank Böhme aus Gleina gehört zur Spitze der Winzer. (FOTO: ANDREAS STEDTLER)
Der eigentliche Star des Abends glänzte leider nur durch Abwesenheit: Georg Prinz zur Lippe. Der sächsische Winzer holte bei der Landesweinprämierung von Saale-Unstrut am Montag in Leipzig gleich drei Goldmedaillen. Es war der erste Erfolgsjahrgang seines noch jungen Thüringer Weingutes. Zur Lippe hat sich mit seinem sächsischen Weingut Schloss Proschwitz bereits bundesweit einen guten Namen gemacht. Seit 2008 betreibt er nun auch Weinanbau in Thüringen. Der Stand vom neuen "Weinhaus zu Weimar" war von Fachleuten umringt. Sie wollten probieren.
"Es ist eine großartige Leistung", sagte Weinbau-Präsident Siegfried Boy anerkennend. Durch das neue Weingut gewinnt das Anbaugebiet weiter an Renommee. Unumstritten ist zur Lippe in der Winzergemeinschaft nicht, denn auch andere Weingüter hätten gerne die beschränkten Rebrechte in Thüringen ergattert. Doch für Neid besteht kein Anlass. Denn wie die diesjährige Weinprämierung zeigt, steigt die Qualität im ganzen Anbaugebiet. 127 Medaillen wurden für den Jahrgang 2011 vergeben - so viele wie nie zuvor. Schon die Verkostung der Weine sprengte bisherige Dimensionen und musste auf zwei Tage verteilt werden.
Am Ende wurde zwölf Mal Gold vergeben. Am besten schnitt das kleine Gleinaer Weingut Böhme ab. Zwei goldene, zwei silberne und eine bronzene Urkunde erhielt Winzer Frank Böhme. "Wir haben zuletzt in die Verarbeitung des Weines investiert", erklärt der Winzer seinen Erfolg. Zudem lege er viel Wert auf die Arbeit im Weinberg.
Die Konzentration auf Qualität macht sich auch beim größten Wein-Hersteller im Anbaugebiet, der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut, bemerkbar. 15 Medaillen holte die Genossenschaft, darunter auch drei goldene. "Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden", sagt Geschäftsführer Gerald Lange. Es hätten sogar noch mehr Medaillen sein können, doch mit einigen Weinen war die Winzervereinigung nur zur Bundesweinprämierung.
Für das insgesamt gute Abschneiden der Winzer 2011 macht Weinbau-Präsident Boy den "gol-denen Herbst" verantwortlich. "Im September und Oktober hatten wir keinen Regen und fast jeden Tag Sonne", so Boy. Dies tat nicht nur den Trauben gut, sondern auch den Winzern wirtschaftlich. Nach zwei mageren Ernten 2009 und 2010 füllten sich 2011 wieder die Weinkeller. Mit 5,5 Millionen Liter produziertem Wein war es das bisher ertragreichste Jahr des Anbaugebietes Saale-Unstrut.