Frederic Klamt hat einen Film über die Studentin Anna-Franziska (auf dem Bildschirm) gemacht und einen Europapreis gewonnen. (FOTO: LUTZ WINKLER)
Der 21 Jahre alte Azubi aus Halle lernt Mediengestalter für Bild und Ton beim Offenen Kanal in Wettin.
"Das Thema Europa hat mich gereizt", sagt Frederic Klamt. Zumal es sich für ihn angeboten habe, denn die von ihm im Film interviewte Studentin ist seine Tante, ebenfalls 21 Jahre jung. "Anna-Franziska studiert an der Martin-Luther-Universität in Halle International Business Economie. Sie schreibt gerade ihre Bachelor-Arbeit", erzählt der junge Filmemacher. Unter diesen Vorzeichen habe es sich für ihn geradezu angeboten, sie nach ihren Zielen und Wünschen zu fragen. Am Filmkonzept habe er vollkommen selbstständig gearbeitet. "Die Leute vom Offenen Kanal haben mir nicht reingeredet, das machen die nie, wenn jemand an einem Wettbewerbsbeitrag arbeitet. Ich finde das richtig, weil man dann wirklich seine eigenen Ideen und Gedanken zu einem Thema umsetzen kann", beschreibt Klamt den Entstehungsprozess seines Filmes.
Über die Interviewfragen habe er sehr lange und sehr gründlich nachgedacht und sie auch vorab mit Anna-Franziska besprochen. Nicht, weil er das Ganze "glätten" wollte, sondern um ihr Zeit zum Nachdenken zu geben. Die junge Frau lernt vier Sprachen, neben Italienisch auch Chinesisch. Heute entstehe nur allzu schnell der Eindruck, junge Leute wollten sich nicht mehr engagieren, nur ihr eigenes Ding machen, auswandern, um ein abenteuerliches Leben in einer Spaß-Gesellschaft zu haben. Dem soll der Film entgegenwirken. Frederic meint: "Wir sind letztendlich alle Weltbürger. Aber nur wenige leben das auch. Anna-Franziska will sich in Europa umsehen, in der Wirtschaft arbeiten, vielleicht in einer Bank. Ob sie sich dabei für etwas Endgültiges entscheidet, an einem bestimmten Ort in Europa sesshaft werden will, ist längst nicht klar definiert." Die junge Wirtschaftsexpertin lässt sich Zeit. Das kommt im Film ebenso deutlich wie sympathisch rüber. Frederic Klamt hat es verstanden, diese Botschaft filmisch zu verarbeiten. Das fanden wohl auch die Juroren des Wettbewerbs der Medienanstalt Sachsen-Anhalt und der Staatskanzlei in Magdeburg und gaben Frederic Klamt den dritten Preis.
Der Azubi im ersten Lehrjahr hat auf seinem künftigen Weg schon einige Stationen festgemacht. Er will irgendwann mal szenische Filme, also Spielfilme drehen. Praktika im In- und Ausland sind für ihn eine Etappe, dann ein Regiestudium im Ausland. Der kreative junge Mann findet Regisseure wie Andrej Tarkowsky ("Stalker") oder Roland Emmerich ("Independence Day") bewundernswert wegen der Spannung, die sie erzeugen und der technischen Mittel, die sie in ihren Filmen anwenden.
Im großen Kino wird man Klamts preisgekrönten Streifen "Arbeitsplatz Europa" nicht sehen. Aber Schulen können ihn ausleihen beim Offenen Kanal Wettin.