Wissenschaft: Weizen mag es optimal

11.05.2012 17:53 Uhr | Aktualisiert 11.05.2012 19:18 Uhr
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Sylvia Müller

Sylvia Müller vereinzelt Hunderte von Weizenpflanzen. (FOTO: SUSANNE THON)

Von regine lotzmann
Der Weizenzüchter Bayer CropScience richtet sich derzeit in Gatersleben ein. Hier soll das Europäische Weizenzucht-Zentrum entstehen.
gatersleben/MZ. 

Sylvia Müller beugt sich weit vornüber, um auch noch an das hinterste Töpfchen heranzukommen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Kerstin Grosser holt die Quedlinburgerin in dem riesigen Gewächshaus des Gaterslebener Bioparks sprossende Weizenpflänzchen aus der Erde. "Wir haben pro Topf drei Körner ausgelegt, brauchen aber nur eine Pflanze", erklärt Elmar Weissmann, warum die beiden Frauen den aus Neuseeland stammenden Sommerweizen nun in mühsamer Handarbeit vereinzeln - und damit gewissermaßen den Grundstock für das Europäische Weizenzucht-Zentrum des Chemiegiganten Bayer legen.

Denn die Bayer-Tochter Bayer CropScience, die Anfang Juni offiziell in Gatersleben ihre Pforten öffnen wird, richtet sich derzeit auf dem Grundstück ein, bezieht Büros und Gewächshäuser und freut sich über das erste Grün. "Am 1. Januar haben wir hier angefangen - mit drei Mitarbeitern", berichtet Weissmann, der als Leiter des Europäischen Weizenzucht-Zentrums fungiert. Er erzählt von Büros und Besprechungsräumen, vom oberen Stockwerk des Laborgebäudes, das Bayer CropScience gemietet hat, und vom Gewächshaus. "Das haben wir erst einmal umgebaut, Trennwände reingebracht, die Steuerung getrennt."

Inzwischen sind in Gatersleben sechs Mitarbeiter vor Ort - drei Wissenschaftler, ein Versuchstechniker und die beiden Frauen, von denen eine für das gesamte Gewächshaus, die andere für die Felder verantwortlich ist. "Ich war vorher schon hier auf dem Campus tätig - bei SunGene", erzählt Sylvia Müller , während ihre lilabehandschuhten Hände über die Töpfchen fliegen, den überflüssigen Weizen aus der Erde holen. "Dadurch, dass der Gaterslebener Standort von SunGene geschlossen wird, ist das für mich hier eine neue Chance", gesteht die Gewächshaus-Managerin und streicht sich das rote Haar aus der Stirn. Denn in Gewächshaus-Kabine 31 ist es zu jeder Zeit sommerlich warm.

"Der Weizen mag es optimal", nickt Weissmann und spricht von 25 Grad Celsius. "Bei Temperaturen darüber verringert sich der Ertrag." Der 52-Jährige kennt sich aus, war er doch zuvor schon nördlich von Stuttgart in der Saatzucht tätig. Hier in Gatersleben, wo er derzeit noch im Gästehaus des Biotech Gründerzentrums lebt, soll nun das Zentrum der Europäischen Weizenzüchtung von Bayer CropScience entstehen. "Wir wollen Weizen züchten für den deutschen, aber auch für den europäischen Markt", erzählt Elmar Weissmann und meint dabei die klassische Pflanzenzucht, wo neue Sorten durch Kreuzungen entstehen, es keine gentechnisch ausgelösten Veränderungen gibt.

"Dabei haben wir es zuerst auf die Steigerung des Ertrags abgesehen, dann gibt es da auch noch die Herausforderung des Klimawandels." So sollen die Pflanzen tolerant sein gegen Stress, Hitze, Trockenheit. Und natürlich auch gegen die unterschiedlichsten Getreidekrankheiten. Doch bis es eine neue Sorte gibt, das kann schon einmal zehn bis zwölf Jahre dauern. Dafür brauchen die Wissenschaftler viel Zeit, Geduld und die unterschiedlichsten Ausgangssorten. 500 verschiedene stehen derzeit im Gewächshaus: zwei Drittel Winter- und ein Drittel Sommerweizen. "Damit wollen wir schon im Sommer kreuzen."

Dass Bayer CropScience in Gatersleben tatsächlich viel vor hat, beweist auch das Konzept. 40 feste Mitarbeiter soll es am Ende der geplanten Erweiterung - im Jahr 2015 - hier in Gatersleben geben. In diesem Herbst wird das Team deshalb das nächste Mal aufgestockt: um einen Weizenzüchter und einen Assistenten. Bis dahin wird sicher auch Elmar Weissmann, der während seiner Arbeitswoche im Gästehaus logiert, mit seiner Familie komplett hergezogen sein. "Ich mag es einfach, wenn ich nah bei der Arbeit bin", lächelt der Getreidezüchter und öffnet die Tür zur nächsten Gewächshauskabine.