Hier geht's rein. (FOTO: KLITZSCH)
Ein "Geheimgang" ist am Montag bei den archäologischen Grabungen am Standort für den neuen Kreisel Mauer- / Bürgermeisterstraße entdeckt worden. Es handele sich "höchstwahrscheinlich" um einen Teil der Festungsanlagen, die dort im 16. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Schmalkaldischen Krieg (1546 / 47) ausgebaut worden waren, sagte am Dienstag Grabungsleiterin Johanna Reetz in einer ersten Einschätzung.
Arbeiter sind gegenwärtig damit beschäftigt, das Gewölbe aus Ziegelsteinen weiter freizulegen; ein Lagerraum - möglicherweise für Waffen - wurde bereits ausgegraben. Ob der Gang dahinter "blind" ist oder nach Norden weiterführt, wisse man noch nicht, so Reetz. Ausschließen lasse sich, dass das Gewölbe zu einem Haus gehörte; seine Stärke beträgt mindestens 40 Zentimeter bzw. zwei Ziegelsteinlängen.
Geheimgänge, durch die man unbemerkt aus der Stadt heraus- oder hineinschlüpfen konnte, seien bei Festungen nicht selten, sagte die Archäologin. Die jetzt entdeckte Anlage an der Mauerstraße war bei der Entfestigung im 19. Jahrhundert zum Teil verfüllt worden; es fanden sich auch ein paar Scherben aus dieser neueren Zeit - und in den Hohlräume auch abgestandene Luft aus Kaisers Zeiten.
Die archäologischen Grabungen finden im Bereich Mauer- / Bürgermeisterstraße baubegleitend statt. Die Bauarbeiten müssen wegen der Eröffnung des neuen Einkaufszentrums Mitte Oktober wie berichtet Ende Juni abgeschlossen sein. Die Archäologen werden den Geheimgang also so weit wie möglich freilegen, vermessen und ein digitales Modell erstellen - bevor die Gegenwart darauf ihren Kreisel baut und später die Lastwagen darüberfahren lässt. Das Gewölbe wird dadurch "wahrscheinlich kaputtgemacht", sagt Johanna Reetz. Vielleicht hält es dem Verkehr aber auch weiter stand - ein feste Burg.