Wittenberg: Premiere im zweiten Anlauf

14.06.2012 19:07 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 19:29 Uhr
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Rathaus

Fragen an die Räte oder gleich direkt ans Rathaus richten? (FOTO: ARCHIV/KLITZSCH)

Von Ulf rostalsky
Die Zweifel der Ortsbürgermeisterin Christel Lück (Linke) an der Notwendigkeit einer Sprechstunde des Ortschaftsrats wurden nicht weniger, als zur Premiere nicht ein Gräfenhainichener erschien. Jetzt bekam das Bild des Desinteresses erste Risse. Günter Semmner wurde zum Eisbrecher.
gräfenhainichen/MZ. 

Ortsbürgermeisterin Christel Lück (Linke) rückt nicht ab von ihren Zweifeln an der Notwendigkeit einer Sprechstunde. "Es ist der Wille des Ortschaftsrats, und es ist sein Angebot", erzählt die Gräfenhainichenerin. Deshalb sitzt sie zusammen mit Peter Pätz (Linke), Andreas Wilke (SPD) und Wilma Deißner (CDU) im Beratungsraum des Gräfenhainichener Archivs.

Christel Lück hat Platz genommen als Ortschaftsrätin. Einen separaten Gesprächstermin, den sie allein als Ortsbürgermeisterin für die Einwohner der Heidestadt bestreitet, wird es hingegen nicht geben. Das hatte die Kommunalpolitikerin in der Vergangenheit mehrfach mit dem Verweis auf ihre Bekanntheit im Ort betont. Wenn jemand mit ihr sprechen wolle, dann mache er das sofort und warte nicht Extra-Sprechstunden ab, so die Meinung der Gräfenhainichenerin.

Zugleich hält sie fest an der Auffassung, dass eine Sprechstunde von Ortschaftsrat oder Ortsbürgermeisterin wahrscheinlich schon deshalb überflüssig wäre, weil Bürger mit Problemen gleich ins Rathaus gehen würden. Das wäre schließlich immer schon so gewesen in Gräfenhainichen - und die Verwaltung im Umgang mit Bürgern recht offen.

Christel Lücks Zweifel bekamen reichlich neue Nahrung, als zur ersten Sprechstunde des Ortschaftsrats vor Monatsfrist nicht ein Gräfenhainichener erschien, Sorgen, Nöte oder Meinungen vortrug. Jetzt bekam das Bild des Desinteresses erste Risse. Günter Semmner wurde zum Eisbrecher. Gleichwohl er seinem Auftreten in der kleinen Runde im Archiv nicht einmal so viel Gewicht beimessen möchte. Semmner denkt praktisch. "Dafür sind die doch da", sagt der Mann, der in Mescheide wohnt und den gewählten Politikern eine ganze Liste von Fragen präsentiert. "Was wird mit der Freilichtbühne?", legt er los und ist längst nicht zufrieden damit, dass das Liedersingen zu Paul Gerhardts Ehren die einzige Veranstaltung des Jahres gewesen sein könnte. "Das hat doch alles richtig Geld gekostet", blickt Semmner auf das einstige Vorzeigeobjekt. Das wissen auch die Ortschaftsräte. Allerdings könne die Stadt die Anlage nicht betreiben. "Und ein Pächter hat sich auch nicht gefunden", erklärt Christel Lück.

Semmner ist zufrieden mit der Auskunft. Er hatte ohnehin nicht die sofortige große Lösung erwartet. Der Mescheider will vielmehr angehört werden und hofft, dass seine Anmerkungen auch dem Rathausteam bekanntgemacht werden. Die Ortschaftsräte versteht er als Mittler, den direkten Draht zu ihnen möchte er auch in Zukunft nutzen. "Letztes Mal konnte ich nicht, da hatte ich andere Termine." Semmners Sorgenliste ist mit der Frage nach der Freilichtbühne längst nicht abgearbeitet. Er spricht die dringend notwendige Pflege der Blumenrabatten in der Innenstadt an, moniert den Zustand der Fahrradständer, defekte Sitzgelegenheiten. Christel Lück und die anderen Ortschaftsräte hören zu und wollen die Fragen weiterleiten an die Verwaltung. "Gut so", meint Semner und hat sich einen Termin notiert: die nächste Sprechstunde am 10. Juli. Wieder von 16 bis 18 Uhr, dieses Mal direkt vor der Stadtratssitzung.