Afrikanische Trommelrhythmen begleiteten den Gesang des 13-köpfigen Ufunuo-Chors aus Tansania. (FOTO: ACHIM KUHN)
Stillstehen gibt's nicht
Steifes auf der Stelle stehen kennen die Sänger aus Tansania nicht. Mal wird im Kreis getanzt, mal nehmen Solisten den Mittelgang in Beschlag. Afrikanische Trommeln und Schellenring geben den Takt vor. Hüften, Hände und Beine sind ständig in Bewegung. Locker und fröhlich, so macht Kirchenmusik Spaß - sowohl den Sängern als auch den Zuhörern. "Unser Kirchenchor singt auch ganz gut, aber ich glaube, er kann noch etwas an der Choreographie feilen", sagte Pfarrer Armin Pra mit einem Augenzwinkern.
Die Lieder des Ufunuo-Chors hatten durchweg christliche Inhalte: Gott wird angerufen, Jesus verehrt. Sowohl Bewegungen, als auch die Musik erinnerten dabei jedoch stark an traditionelle afrikanische Stammestänze und -gesänge. Kein Zufall. Missionare versuchten in der Vergangenheit nicht, die europäische Kirchenmusik in Tansania zu verbreiten. Stattdessen wurden bekannte Lieder aufgegriffen und mit christlichen Inhalten neu betextet - in der offiziellen Landessprache Kiswahili oder in den regional unterschiedlichen Stammessprachen.
Nach Bayern in die Lutherstadt
Der Chor selbst stammt aus Usa River einem Dorf bei Arusha, nahe des Kilimandscharo, im Nordosten Tansanias. Er setzt sich aus sieben Sängerinnen und sechs Sängern zusammen, die zu einem Teil im dortigen Rehabilitations- und Trainingszentrums für körperlich behinderte Menschen leben oder arbeiten. Weitere Sänger gehören zu der Kirchengemeinde, die sich im Laufe der Zeit um die Einrichtung entwickelt hat. Derzeit tourt der Ufunuo-Chor durch ganz Deutschland, vorwiegend durch Bayern. Seit 50 Jahren verbindet die Evangelisch-Lutherische Gemeinden in Bayern und Tansania eine Partnerschaft, die unter anderem mit den Konzerten gefeiert wird. Den Auftritt in Wittenberg bezeichnete der Chor als einen der Höhepunkte der Reise. Sicherlich nicht nur eine Phrase. Das recht kühle Wetter war für den Chor zwar gewöhnungsbedürftig, dennoch hatten sie sichtlich große Freude, in Wittenberg zu singen - schließlich ist es die Stadt Luthers.