"Es war eine spannende Zeit"

27.06.2012 16:57 Uhr | Aktualisiert 27.06.2012 16:59 Uhr
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Der Graf und sein Team, auf das er große...

Der Graf und sein Team, auf das er große Stücke hält: "Ein moderner Betrieb". (FOTO: MZ)

Von helga heilig
"Es war eine spannende Zeit, und einer der Höhepunkte in meinen Leben." Georg Graf von Zech-Burkersroda bezieht sich mit diese Aussage auf die vergangenen zehn Jahre, in denen er ehrenamtlich als Dechant der Vereinigten Stifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz wirkte.
naumburg. 

Als er am 17. Juni 2002 sein Amt antrat, hätte er sich niemals vorstellen können, dass er es ein Jahrzehnt lang innehaben würde. Nachdem sein Unternehmen verkauft war, habe er "eigentlich ganz andere Zukunftspläne" gehabt. Aber er musste erfahren: Pläne sind das eine, die Realität das andere.

"Ich konnte damals nicht einschätzen, was alles auf mich zukommen wird", gesteht er rückblickend ein. Fünf Jahre lang wollte er Dechant bleiben, die doppelte Zeit ist inzwischen vergangen. Morgen wird Graf Zech im Naumburger Dom als Dechant offiziell verabschiedet. Zahlreiche Gäste werden erwartet, die sein Wirken würdigen wollenunter ihnen auch Ministerpräsident Reiner Haseloff.

Des Dechanten erklärtes Ziel war Anfang des neuen Jahrtausends, der Stiftung eine Struktur, ein neues Gesicht zu geben, aus ihr ein modernes Unternehmen zu machen. Aber an erster Stelle stand - und das predigt er vor allen möglichen Gremien - die Schätze der Vereinigten Domstifter zu heben, sie bekannt zu machen. Und das nicht nur zum Selbstzweck, sondern um die Region auch wirtschaftlich voranzubringen. Seine Argumente haben überzeugt, und zwar auch in Magdeburg oder Berlin. Rund 40 Millionen Euro haben die Vereinigten Domstifter an ihren drei Standorten seit 2002 investiert. Der überwiegende Teil davon waren Fördergelder. "Es wurde viel saniert, aber es gibt auch noch sehr viel zu tun", schätzt Graf Zech ein.

Der Glanzpunkt seines Wirkens war ohne Zweifel die Landesausstellung "Der Naumburger Meister" im vergangenen Jahr in Naumburg. Und besonders stolz ist der Dechant darauf, dass sie deutschland- ja europaweit ein überwältigendes positiven Echo gefunden hat.

In der Anfangszeit seines Wirkens hatte man sich in der Stiftung verstärkt auf die Standorte Merseburg und Zeitz konzentriert. "Es war wichtig, dass der Merseburger Dom aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und die Stiftsbibliothek in Zeitz mit ihrem wertvollen Bestand in adäquate Räumlichkeiten untergebracht wird", so Zech. Er bedauere allerdings, dass die für 2014 geplante Ausstellung in Zeitz nun nicht realisiert werden kann.

Nachdem er sein Ehrenamt übernommen hatte, schien es, als brenne es an allen Ecken und Enden. In Naumburg wurde der Ruf nach neuen Toilettenanlagen immer lauter, die Eule-Orgel im Dom krächzte nur noch und es galt, das Festgeläut nach Jahrzehnten des Schweigens wieder erklingen zu lassen. Die Kurien am Domplatz - überwiegend im Besitz der Stifter - waren vernachlässigt, Parkplätze gab es nicht. Das sind nur einige der nahezu ungezählten Probleme, die einer Lösung harrten. Der Dechant ist kein Mann volltönender Worte, aber er kann trotzdem überzeugen. Und das tat er, wo er nur konnte. Er brach sogar mit Jahrhunderte alten Vorbehalten, ging auf den Gemeinderat und die Stadtverwaltung zu und er fand Partner. Ähnlich lief es in Merseburg und Zeitz. "Beglückend war für mich die Zusammenarbeit mit dem gesamten Mitarbeiterteam", unterstreicht Graf Zech. Er spricht von einer "hochmotivierten Mannschaft, die - besonders mit Blick auf die Vorbereitung und Durchführung der Landesausstellung - an die Grenzen der Leistungsfähigkeiten gekommen ist". Entstanden sei ein moderner Betrieb, der sich nicht verstecken müsse vor anderen Unternehmen in der freien Wirtschaft.

Wer eventuell meint, dass nach dem Ausstellungsereignis 2011 "die Luft raus ist" bei den Vereinigten Stiftern, der irrt. Verstärkt ins Visier genommen wird der geplante Aufnahmeantrag in das Unesco-Weltkulturerbe. Und der Graf, wie er allgemein genannt wird, will sich künftig verstärkt für dieses anspruchsvolle Ziel einsetzen. Er schätzt die Chance, dass das Vorhaben gelingt, mit "über 50 Prozent" ein. "Es ist nun wichtig, dass das Projekt im Antragsgebiet und darüber hinaus bekannt wird und viele Mitstreiter findet." Man wolle nicht Mittelalter spielen, räumt er Bedenken aus, setzt aber hinzu, dass die Windräder auf den Höhen rund um Naumburg "problematisch" sind.

"Ich hatte früher nie mit der Politik zu tun", erklärt Zech. Das änderte sich, als er Dechant wurde. Die Vereinigten Stifter waren dringend auf Fördergelder für die Umsetzung ihrer Vorhaben angewiesen und es galt deshalb, Klinken zu putzen. Das erste Gespräch beim damaligen Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer verlief so: Böhmer mit gerunzelter Stirn "Was wollen Sie?" Graf Zech: "Nichts, ich wollte mich nur vorstellen". Die Vorstellung ist geglückt, denn in Magdeburg wurde man aufmerksam auf die traditionsreiche Stiftung tief im Süden des Landes - und das machte sich konkret mit diversen Fördermittelzusagen bemerkbar. Dass Graf Zech der Verdienstorden Nummer sechs des Landes Sachsen-Anhalt verliehen wurde, spricht für dessen Wertschätzung. "Wichtig war, diejenigen, die Entscheidungen zu treffen haben, hierher zu bekommen, ihnen zu zeigen, welch großes Potenzial hier verborgen ist. Und wenn sie hier gewesen sind, hatten wir schon halb gewonnen."

"Ich bin guter Dinge, dass es bei den Vereinigten Stiftern auch in Zukunft gut laufen wird", meint der Graf zuversichtlich. Was möchte er er seinem Nachfolger Walter Christian Steinbach mit auf den Weg geben? "Die Stiftung ist von großer Bedeutung. Sie hat eine enorme Tradition und viel Potenzial, das in der Zukunft, noch weiter ausgebaut werden kann."