Dieser ist spät zur Malerei gekommen, hatte sogar in jungen Jahren an seinem Talent gezweifelt und deshalb ein Ingenieurstudium dem der Architektur vorgezogen. Der 1937 in Sachsen geborene Pensionär, der ein Leben lang als Ingenieur, Professor und Manager tätig war, hatte erst vor sechs Jahren begonnen, sich mit den bildenden Künsten zu beschäftigen. Hauptsächlich male er für sich, weil es ihm große Freude bereite, sagte Mängel zur Vernissage.
Landschaften in zartem Pinselstrich
"Malen ist nun ein Teil von mir." Doch mitunter wünsche man sich, die Freude auch mit anderen zu teilen. So nahm der Maler gern die Einladung von Sabine Kannetzky an, in der Galerie ihrer Altdeutschen Weinstuben auszustellen.
In Freyburg ist er nicht zum ersten Mal. Er war in den 1990er Jahren öfters hier, hatte die über das Unstruttal führende ICE-Neubaustrecke mit geplant, die jetzt ihrer Vollendung entgegensieht. Aber das ist Vergangenheit. Gegenwart ist das, was man derzeit im Künstlerkeller sehen kann: Aquarelle mit italienischen Landschaften, meist mit zartem Pinselstrich auf Papier gebracht - so von der Toskana, vom Comer See, von Venedig und Rom. Als Kontrast dazu erscheinen die Arbeiten mit kräftigen Acrylfarben: Blumenstillleben, Frauenporträts und da - besonders auffallend im Ausstellungsraum - eine großformatige, grellfarbige Powerfrau. Mängel, der auch humorig-unterhaltsam zu erzählen weiß, würzte die Vernissage mit mancherlei Anekdoten.
Hochaktuelle Studie aus Syrien
Er solle nicht immer nackte Frauen malen, habe seine Frau gesagt. Da präsentierte er ihr eben eine Kuh in Acryl. "Hast du sie denn noch alle", sei der einzige Kommentar darauf gewesen. Seitdem malt der Professor halt wieder Akte, die er so mag. Von einer Syrienreise im Jahr 2010 brachte Hermann Siegfried Mängel neben vielen Skizzen zu Land und Leuten eine heute hochaktuelle Impression mit: "Krieg in Syrien, Maria mit Kind auf dem Esel". Maria, die Mutter Gottes, ist ein weiteres Thema, das den Maler beschäftigt - so in der Radierung "Madonna aus Flemalle / Flandern" zu sehen. Interessant: die Studien zu Barlachs schwebendem Engel, wie auch die Radierungen nach dem Vorbild des 1966 entstandenen Adenauer-Porträts von Otto Kokoschka. Mängel macht es sich auch in seinem Alters-Hobby nicht leicht: Üben und immer wieder üben, so war zu hören, um zu Ergebnissen zu kommen, die sich - wie in Freyburg bewiesen - sehen lassen können.