Eines der Referenzobjekte der Baugesellschaft in der Region: das Saale-Unstrut-Klinikum in Naumburg mit seinem Neubau. (FOTO: MZ)
Der Bauunternehmer kann diese Forderung locker aufmachen, weil in seinem Betrieb, der Naumburger Baugesellschaft, zu auch das Betonfertigteilewerk BFT gehört, eben nach Tarif entlohnt wird, plus eventueller Zulagen. "Vom Mindestlohn kann man weder leben, noch ist er wirtschaftlich sinnvoll, da die Arbeitnehmer fehlendes Geld bei der Arge einfordern", sagte er in einem Gespräch mit Naumburgs Oberbürgermeister Bernward Küper (CDU), der den Betrieb gestern mit Undine Rudolph, in der Stadtverwaltung zuständig für Wirtschaftsförderung, im Zuge seiner regelmäßigen Firmenrundgänge besucht hatte.
Der OB kam damit nicht nur in ein Unternehmen, das nach eigenen Angaben ganz ohne Subventionen auskommt und solide dasteht, sondern auch eines, das seit 1990 im Gewerbegebiet Steinkreuzweg ansässig ist. Damit hat die Baugesellschaft anders als viele ihrer Mitbewerber jene kritische Zeit nach der Wende durch- und überlebt, als die Nachfrage im Bausektor plötzlich weggebrochen ist.
Der Umstand, dass Tariflohn gezahlt wird, brachte Küper zu der Feststellung, dass damit der Betrieb zwangläufig bei öffentlichen Ausschreibungen benachteiligt sein müsste, was Quadflieg bejahte. "Das ist so, doch wir können diesen Nachteil durch schnellere und bessere Arbeit weitgehend ausbügeln. Wir sind straff organisiert und können effektiver agieren. Das liegt vor allem am gut ausgebildeten Mitarbeiterstamm", so Quadflieg, der derlei auch als Kennzeichen des Mittelstandes sieht. "Diese Betriebe sind das Rückgrat der Wirtschaft, auch wenn sie nicht mit einem Minister zu Tisch gehen", gibt er eine Breitseite gegen die aus seiner Sicht von der Politik bevorzugten Konzerne und Industriebetriebe. In punkto Tariflohn räumte er allerdings ein, dass die Baugesellschaft diesen in Ostdeutschland zwar zahle, das aber der Mutterbetrieb in Aachen wegen höhere Sätze nicht könne. Dort sei man auf Fremdarbeiter angewiesen. Insgesamt zeichnet Andreas Quadflieg eine gute Perspektive für die Naumburger Baugesellschaft. "Die letzten vier Jahre waren sehr erfolgreich, und auch 2012 wird gut." Das zeichnet sich auch für den Bereich Betonfertigteile ab, den Nico Neuhaus verantwortet. "Wir profitieren von der Energiewende, liefern seit langem und im großen Stile Teile für Energieversorger. Und dieser Markt entwickelt sich", meint Neuhaus.
Für die nahe Zukunft plant die Baugesellschaft erhebliche Investitionen in Maschinenpark und energetische Erneuerung der Gebäude. Dafür hat Unternehmer Quadflieg einen Termin mit der städtischen Wirtschaftsförderung ausgemacht. Denn: "Warum sollen andere gefördert werden und wir nicht?"