Sächsische Polizeireiter im Einsatz bei einem Volksfest. Auch in Sachsen-Anhalt wird der Aufbau einer Polizeireiter-Staffel geprüft. (FOTO: MINISTERIUM)
"Die Weinmeile braucht keine Pferde, wir sind doch nicht in Berlin-Kreuzberg", schreibt Simone Schmid auf der Tageblatt / MZ-Seite bei Facebook. Und Haiko Haun kommentiert: "Der Einsatz einer berittenen Streife ist übertrieben. Polizisten zu Fuß würden reichen. Man sollte das Augenmerke eher darauf richten, dass anschließende Alkoholfahrten vermieden werden."
Die Ankündigung von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), bei der zu Pfingsten zwischen Bad Kösen und Roßbach stattfindenden Weinmeile Polizeireiter einsetzen zu wollen, sorgte für Unverständnis und Unmut. Stahlknecht hatte zunächst mitgeteilt: "Vier sächsische Reiter werden mit ihren Einsatzpferden die polizeiliche Absicherung der Weinmeile unterstützen." Die Organisatoren vom ehrenamtlichen Weinmeile-Verein sahen dies überaus kritisch. "Wenn im Vorfeld bekannt wird, dass Polizeireiter im Einsatz sind, ist das keine Werbung für die Weinmeile. Im Gegenteil: Die Besucher werden abgeschreckt, es werden Ängste geschürt", sagte Vereinsvorsitzende Ines Müller. Der Vorstand sei verärgert. Vereinsgründer und Vorstandsmitglied Reinhard Glotze intervenierte deshalb gestern Nachmittag in Magdeburg überaus heftig gegen die Pläne des Ministers. Der trat daraufhin den Rückzug an. Er sagte sowohl seine als auch die Teilnahme der Polizeireiter-Staffel an der Weinmeile ab. Aus dem Innenministerium hieß es gegen 16 Uhr: "Dieser Entscheidung vorausgegangen war der Anruf eines Vorstandsmitgliedes des Vereines in der Pressestelle des Ministeriums. In diesem Anruf wurden nötigende Äußerungen mit Bezug auf den Minister getätigt sowie erhebliche Störungen des Einsatzes angekündigt." Gegenüber Tageblatt / MZ sagte Stahlknecht: "Vor diesem Hintergrund sehe ich mich gezwungen, den Einsatz und meine Teilnahme abzusagen, um keinen Anlass für Konfrontationen zu bieten." Inzwischen sagten auch Naumburgs Oberbürgermeister Bernward Küper - er hatte Stahlknecht eingeladen - sowie der Naumburger CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sturm ihre Teilnahme ab.
Wie Müller unterstrich, sei zwar am 14. Mai mit der Naumburger Polizei die Weinmeilen-Strecke unter dem Aspekt eines möglichen Einsatzes der Polizeireiter abgefahren worden. Allerdings habe es bereits damals Skepsis über die Möglichkeit eines solchen Einsatzes gegeben. "Wir haben nichts gegen polizeiliche Präsenz, aber nicht dieser Art", so Müller weiter.
Das Innenministerium indes hatte sich gestern Vormittag auf Tageblatt / MZ-Nachfrage noch erstaunt über die ablehnende Haltung des vereins geäußert. "Der Einsatz der Pferde wurde mit dem Verein abgestimmt. Die Vorsitzende des Vereins, Ines Müller, war bei mehreren Besprechungen anwesend, so auch in jener am 14. Mai, in welcher der Einsatz der Pferde mit ihr abgestimmt wurde", sagt Sprecherin Anke Reppin.
Die Aufregung sei auch deshalb unverständlich, "weil die bisherigen Weinmeile-Veranstaltungen und deren Charakter als Touristen- und Familienfest keinen Anlass für eine besondere polizeiliche Präsenz bieten". Vielmehr wolle das Innenministerium seine Pläne zum Aufbau einer landeseigenen Polizeireiterstaffel der Öffentlichkeit vorstellen. Die Saale-Weinmeile sei dazu geeignet, weil sie wegen ihrer Länge von sechs Kilometern Maßnahmen erforderlich mache, um die erwarteten Besucherströme zu lenken.